Gute Laune von Tao Lin, 2009, DuMont

Tao Lin

Gute Laune
(Leseprobe aus:
Gute Laune, Roman, 2009, DuMont - Übertragung Stephan Kleiner).

Andrew telefoniert mit Steve, dann fährt er zu Domino’s.

»Du bist zu spät«, sagt Matt. »Du bist gefeuert. Pack deinen Scheiß zusammen und verpiss dich.« Domino’s hat zwei Manager.

Einer von ihnen ist Matt. Der andere Manager ist der traurige Manager.

Andrew grinst. »Okay«, sagt er.

Matt starrt Andrew an. »Ich will dich hier nicht mehr sehen, Andrew.« Matt ist fünfundzwanzig, singt und spielt Gitarre in seiner eigenen Band, und Andrew grinst ihn kackfrech an. Andrew geht nach hinten; als er eincheckt, hat er das Leben satt. Vier andere Fahrer stehen dort rum. Andrew hat sich mit ihnen nichts zu sagen. Sie wohnen in kleinen Häusern mit niedrigen Dächern und sind alle sehr höflich.

Einer war ein Kampfsport-Champion. Einmal hatte Andrew einen Platten und der Kampfsport-Champion kam ihm mitten in der Nacht helfen. Er wirkte sehr nett und etwas schüchtern, aber auch so, als könnte er, wenn er wolle, seelenruhig und mit ausdruckslosem Gesicht durch eine Menschenmenge gehen und den Leuten die Knochen brechen. Andrew entschuldigte sich unaufhörlich; er hatte ein schlechtes Gewissen, weil der Kampfsport-Champion ihm mal gezeigt hatte, wie man verbotenerweise querfeldein fahren und dabei fünfzehn Sekunden rausschinden konnte. »Vielen Dank für deine Hilfe«, sagte Andrew. Der Kampfsport-Champion sagte, seine Frau habe ein Reh angefahren und würde sich seitdem nicht mehr hinters Steuer setzen. Er sagte, er sei früher viel herumgekommen wegen der Wettbewerbe. Er sei in Virginia gewesen und auch in Georgia. »Es war mir ziemlich ernst damit«, sagte er. »Ich habe auch mal einen Sommer lang Kampfsport gemacht«, sagte Andrew. Der Kampfsport-Champion wechselte den Reifen; sie standen vor einem heruntergekommenen Gemüsestand; und Andrew dachte andauernd, Kampfsport, Reh, Tod. Er war weder überrascht noch ängstlich, nur ein bisschen gelangweilt. Später, auf dem Weg nach Hause, war er dankbar und gar nicht abgelenkt. Er streichelte die Hunde und schrieb seiner Mom eine Mail. Er sollte sich mit dem Kampfsport-Champion anfreunden; mit ihnen allen.

(...)

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