Gesammelte Gedichte von Karl Hermann Limberg, 1977, S.VerlagKarl Hermann Limberg

Forsithienzweige
(Leseprobe aus: Gesammelte Gedichte, 1977, S-Verlag).

Du trugst des Frühlings ersten Gruß
mit diesen Zweigen uns ins Haus
und sahst doch so bekümmert aus
und setztest müde Fuß vor Fuß.

Und dieser Gegensatz von Leid
und Jugend, Schmerz und Lust
erschüttert tief, beklemmt die Brust
und webt der Trauer dunkles Kleid.

Nun stehn die zarten Blütenzweige
im Kelch von weißem Porzellan
und künden hell des Frühlings Nahn.
Ich sehe lang sie an und schweige.

Trugst du uns nicht vor langer Zeit
auch diesen schlanken Kelch ins Haus?
Da sagst du anders, fröhlich aus,
warst junge Braut und glückbereit.

Wie schnell verwandelt doch die Welt
nach auß' und innen ihr Gesicht,
wenn vor das gold'ne Sonnenlicht
sich eine schwere Wolke stellt.

Wohin entschwanden Lust und Glück?
Die Erde stieg aus Winterleid
in eine neue, schön're Zeit
und bringt auch dir den Lenz zurück...

Rezension I Buchbestellung I home II11 LYRIKwelt © Mit freundlicher Genehmigung von Michael Limberg