Das Reise-Molekül
Es ist noch gar nicht lange her,
da wollte aus dem Mittelmeer
aus dem riesigen Gewühle
aller Wassermoleküle
ein kleines so gern verreisen,
es den anderen beweisen....
Vielleicht geht es auch alleine
fortzugehen, meint das Kleine.
"Bei der ersten Gelegenheit
beginnt für mich die Reisezeit.
Ich nutze jetzt die Thermik aus
und heb´ mich aus der Masse raus."
Ein sehr feines Staubpartikel
dient nicht nur als Fahrvehikel,
wohl auch als Kondensationskeim
für die Rückkehr ins traute Heim.
Doch jetzt gehts zunächst nach oben,
zum Taupunkt wird es gehoben.
Erreicht das Kondensations-Niveau
und die Flughöhe ebenso.
Dunkel wird´ s, rette sich wer kann,
die andern hängen sich jetzt an.
Die Luft wird dünner und auch kalt,
Tropfen schwerer, es gibt kein Halt.
Nach diesem Wetter-Gewirge
erreichen sie das Gebirge.
Das Molekül tauscht das Mieder
und gleitet als Flocke nieder.
Weißer wird es jetzt weit und breit,
wir sagen, es hat nun geschneit.
Bevor zur Rückreise starten,
muß man auf Tauwetter warten.
Da kann man in Ruhe lauern,
ein Winter kann lange dauern.
Irgendwann ist der Frühling da
und der Tag der Rückreise nah.
Dann beginnt mit der Schneeschmelze
das große Wassergewälze.
Das Molekül drängt in den Bach,
abwärts, steiler, dann wieder flach.
Es kommt jetzt, wie es kommen muß,
weiter geht es im großen Fluß.
Endlich wird es nun gemütlich,
die Reise wird fast vergnüglich.
Vorbei gehts an Wald und Wiesen.
Das Molekül hat bewiesen,
- Mit der trägen Masse ists leicht,
solange die Ausdauer reicht - .
Bald wird es in der Heimat sein,
wieder im Meer so ganz allein.
Unter Millionen von ihnen,
wird es hier der Masse dienen.
Doch nach einer gewissen Zeit,
ist es vielleicht wieder soweit...
(2000)
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