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Madame
(Leseprobe aus:
Madame, Roman, 1998/2000,
dtv - Übertragung Karin Wolff).
Unverheiratet... Klar, aber Fräulein oder
geschieden? (Witwe zog man überhaupt nicht in Betracht.) Wenn sie geschieden
war, wer und was war dann ihr Mann gewesen, und weshalb hatten sie sich
getrennt? Und wer hatte wen verlassen? Wenn sie ihn verlassen hatte, was mochte
dann der Grund dafür gewesen sein? Unverträglichkeit der Charaktere,
unterschiedliches Temperament? War ihr Mann zu aufdringlich gewesen oder eher zu
lasch? Vielleicht hatten sie sich ja auch wegen einer dritten Person getrennt?
Hatte sie jemanden gefunden? Wenn ja, unter welchen Umständen? Und so weiter und
so weiter, sämtliche möglichen Varianten.
Da gabs aber auch noch die andere Option: nicht geschieden, sondern ein
Fräulein, und das war noch viel aufregender!
Ein Fräulein... Dreißig Jahre alt! Pah, weit über dreißig! War sie dann noch
Jungfrau? Irgendwie wollte man das nicht glauben. Also, wie hat das angefangen?
Wann und mit wem und wo? Während des Studiums? In den Ferien? Im Studentenheim?
Danach sah es nicht aus. Vielleicht doch eher unter komfortablen Umständen - im
Hotel, in einem Appartement, in einer eleganten Wohnung? Und wie sieht die Sache
jetzt aus? Die Häufigkeit. In "wilder Ehe", aber wenigstens mit einem einzigen?
Oder hatte sie nur kurze Abenteuer mit immer anderen Partnern? Mußte sie dann
nicht fürchten, letztendlich schwanger zu werden? Davor wurde doch so gewarnt.
Ob sie sich irgendwie schützte? Wie? Du liebe Güte, wie?
Auch eine andere Frage bewegte die Gemüter und wurde aufs lebhafteste
diskutiert, und das war ihre vermeintliche Parteizugehörigkeit, in Wahrheit
hatte auch hier niemand Beweise für irgend etwas, wenn auch in diesem Fall die
Zweifel eher weniger angebracht schienen. Es kam beinahe nie vor, daß der
Direktor einer Schule nicht der Partei angehörte.
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