Rudolf Leonhard

Lagerstrasse
(aus: Le Vernet - Gedichte, 1961, Herausgegeben und zusammengestellt von Maximilian Scheer)

So viel Licht
und Lärm
ist auf Broadway nicht,
und nicht so viel Gehärm

und so viel Sorgen,
wie auf der Straße vor den
Baracken
am frühen Morgen,
wenn durch Wipfelzacken

mühsam die Herbstsonne
scheint.
Hörst du die Stimme am Ende
der Nacht,
die um ein zurückgelassenes
Mädchen weint?
Hörst du die unerschöpfliche
Macht

der Masse, die in den Morgen
lacht?
An beiden Borden rieselt das
Wasser,
und die Rümpfe der Wäscher,
der Wasserprasser,
scheinen gelb in der
Herbstespracht.

Werd ich auf diesen
Pflastern
noch lange nutzlos und
sinnlos stehn?
Ich möchte die letzten
Astern
nicht mehr verblühen sehn.

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