Es riecht nach Schnee...
Es riecht nach
Schnee, der Sonnenapfel hängt
so schön und rot vor
meiner Fensterscheibe;
wenn ich das Fieber
jetzt aus mir vertreibe,
wird es ein Wiesel,
das der Nachbar fängt,
und niemand wärmt
dann meine kalten Finger.
Durchs Dorf gehn
heute wohl die Sternensinger
und kommen sicher
auch zu meinen Schwestern.
Ein wenig bin ich
trauriger als gestern,
doch lange nicht
genug, um fromm zu sein.
Den Apfel nähme ich
wohl gern herein
und möchte heimlich
an der Schale riechen,
bloß um zu wissen,
wie der Himmel schmeckt.
Das Wiesel duckt sich
wild und aufgeschreckt
und wird vielleicht
nun doch zum Nachbar kriechen,
weil sich mein Herz
so eng zusammenzieht.
Ich weiß nicht, ob
der Himmel niederkniet,
wenn man zu schwach
ist, um hinaufzukommen?
Den Apfel hat schon
jemand weggenommen …
Doch eigentlich ist
meine Stube gut
und wohl viel wärmer
als ein Baum voll Schnee.
Mir tut auch nur der
halbe Schädel weh
und außerdem geht
jetzt in meinem Blut
der Schlaf mit einer
Blume auf und nieder
und singt für mich allein die Sternenlieder.
Rezension I Buchbestellung I home IV06 LYRIKwelt © Ch.L.