|
|
Oktober und wer wir selbst sind
(Leseprobe aus: Oktober und wer wir selbst sind, Roman, 2007,
Stroemfeld)
Wieder Oktober. Du kommst aus dem
Haus. Am Morgen, noch früh. Die Straße ist naß. Du kommst aus dem Haus und mußt
stehenbleiben, so riecht es nach Herbst. Das abgefallene Laub. Gerade eben hast
du aus der Nacht deinen Traum noch gewußt und jetzt ist er weg. Du spürst
noch, wie er sich entfernt. Ein Luftzug, ein Vorhang, der sich bewegt. Flügel,
die sich sacht regen, die Schatten von Flügeln, und dann ist er gegangen. Weg für
immer. Die Tür fällt hinter dir zu. Man kommt aus dem Haus. Das Leben ist
fremd.
Schon Herbst? Der Erzähler geht mit Frau und Kind hinter Bockenheim am Bahndamm
entlang. Immer auf den Horizont zu und mit den Augen die Ferne suchen. Überall
Kinder. Lassen Drachen steigen. Müssen rennen im Wind. Aber wo sind die
Indianerwiesen hin, die noch kürzlich hier waren?
Das Jahr 1983. Ein Frankfurter Herbst, durch den wir gehen, als sei es ein
einziger langer Tag. Man geht und denkt, man weiß genau, wer man ist – und
dann kommt man abends heim und das Telefon klingelt.
Sein Freund Jürgen. Er ruft aus Frankreich an, aus Barjac, einer Kleinstadt
weit im Süden. Dort hat er mit Pascale, die er liebt, ein winziges Restaurant,
ein Restaurant mit drei Tischen. Der Erzähler am Telefon und sieht alles vor
sich.
Rezension I Buchbestellung I home 0I07 LYRIKwelt © Stroemfeld