These foolish things
der blaue Musiker fängt an und schiebt seine Hüfte vor. Ein Lokal voll bunter Lichter. Es ist Nacht, Herbst oder Sommer.
Handyklingeln
die letzte Bahn kommt
Autobremsen
Herzschlagen. Rauschen von Blut in den Adern, labyrinthene Wege. Fieber 39.5°C – Grenzen verschwimmen grenzenlos ich bin du bist ich ich bin du wenn ich ... ich habe versucht du zu sein ich zu sein nicht zu sein:
und alles war
wie sterben.
der rote Musiker blinzelt über die Bühne. Der Barkeeper lässt ein paar Gläser fallen. Zum Spaß.
Wie Tau, denkt die Kellnerin,
Licht fängt sich wie Tau auf den Scherben.
Im Hinterhof wühlt ein Waschbär im Müll. Daneben steht eine Mutter und singt, während sie den Kinderwagen schaukelt, singt ihrem Baby ein Schlaflied. Das Baby weint. 39.5°C
„Morgen früh wenn Gott will wirst du wieder geweckt.“
Taube Fingerspitzen. Lege deine tauben Fingerspitzen auf die Tasten des Klaviers Berührung Berührungen diese Linie weiße Linie einen Geldschein rollen schwarz weiße Tasten schwarz weiße Worte und einatmen durch die Nase schwarz weißes Lied wenn eine Taste fehlt: sieht es aus wie eine Zahnlücke.
Milch aufschäumen
Gläser klimpern
Gespräche am Nachbartisch
der grüne Musiker hustet in sein Instrument und zieht die Schultern zurück. Das Instrument ist mein Feind. Wir spielen nicht. Wir kämpfen.
„Ah“ sagt die Frau in dem weißen Kleid mit dem Lippenstift „das ist Poesie!“ und sie bestellt noch einen altmodischen Cocktail (Bloody Mary oder Tequilla Sunrise; nichts Blaues auf jeden Fall)
Im abgestellten Auto das Radio und ein Stöhnen und Flüstern liebe Zärtlichkeiten kleine zärtliche Lügen (Du bist das Schönste, das ich kenne) er streichelt sie sie ihn er zieht seine Socken aus sie denkt wie romantisch dann blas ich ihm auch einen er denkt er denkt gar nichts mehr er sinkt nach hinten in die Polster schwarz weiß schließt die Augen 39.5°C
Polizeisirenen
Schreie
eine Mülltonne fällt um
Der Waschbär rennt aufgescheucht davon seine Krallen klackern auf dem Beton der Beton hat Risse
(der rote Musiker spielt einen langen roten Ton)
der Waschbär rennt über Bürgersteige Straßen weiße Mittellinien die er nicht versteht der Waschbär rennt und rennt in den Wald
(der blaue Musiker greift den Ton auf und spielt weiter schließt die Augen aber nur kurz manchmal beschimpft er das publikum manchmal beschimpft ihn das publikum)
im Wald Blätter rauschen Gefieder knistert
Vögel haben eine Körpertemperatur von 42°C sie sind filigran und wenn wir fiebern frieren sie und sie können fliegen
Zweige knacken
die Musiker sind hochmotiviert
Im Gang zu den Toiletten schräg gegenüber vom Zigarettenautomaten reißt ein wütender Mann das Telefon aus der Wand. Hält den Hörer fest daran das Telefon hängt hängt am Kabel aus der Wand, schaukelt; in der Wand ein Loch, weiß und beleidigt, daraus hängt an einem schwarzen Kabel ein Telefon daran hängt am Hörer ein wütender Mann, der gar nicht mehr wütend ist. Eher hat er sogar vergessen, wütend zu sein. Er lässt den Hörer los das Telefon fällt knallt an die Wand der Hörer liegt auf dem Boden wie abgestorben der Mann geht zu seinem Platz. Er schaut dem blauen Musiker zu und denkt: ich möchte das auch können.
und der blaue Musiker denkt: wenn man nur fest genug die Augen zu macht, kann man die Sonne hören.
wenn einer fragt wer bist du sage ich
Musik
ich bin ein Schatten nur der sich für Wahrheit hält tanzend gebunden an Fäden aus Licht ich habe versucht du zu sein –
Radio
Höhepunkte
Scheibenwischer wie ein Metronom
der grüne Musiker grinst und hebt die Hand sein Zeigefinger sagt eins noch eins der Barkeeper nickt und tanzt die drei Schritte hinterm Tresen er wirft Eis in ein Glas
er denkt ich würde gern meinen aggregatzustand wechseln heute mensch morgen luft bei welcher temperatur löse ich mich auf?
er gießt goldene Flüssigkeit über das Eis er schwenkt Richtung Bühne die Kellnerin mit dem Tablett Richtung Bühne
„Morgen früh wenn Gott will wirst du wieder geweckt.“
Das Baby schläft die Mutter weint der Tumor in ihrer Gebärmutter singt einfach weiter ohne sie er zwinkert ihr zu mit magischer Gleichgültigkeit 39.5°C sie spürt es sie spürt es wie eine Zahnlücke der Tumor singt ihr ein Schlaflied
„Morgen früh wenn Gott will wirst du wieder geweckt.“
der gelbe Musiker kommt endlich vom Klo diese Linie noch diese weiße Linie macht seinen Kopf still und leer für die Musik Geldschein rollen das Leben ist eine zu enge Jacke -
macht seinen Kopf schwarz weiß er legt seine tauben Fingerspitzen auf die Tasten ihm ist heiß hoffentlich kein Fieber denkt er und sagt:
„Hier fehlt eine Taste.“
Im Auto zieht sie ihre Jeans wieder an er beobachtet sie trinkt Bier aus der Flasche nimmt das Feuerzeug ein Sturmfeuerzeug die Zigaretten zündet zwei an reicht ihr eine bei geöffnetem Fenster rauchen sie schauen hinaus auf die Hauswand eine umgekippte Mülltonne er lächelt sie schwer verliebt an sie liebt seine Zahnlücke
Saxophon
Klavier
Kontrabass
Eine weinende Frau schiebt ihren Kinderwagen am Auto vorbei man kann sie im Rückspiegel sehen sie wiegt den Kinderwagen mit wiegenden weinenden Schritten Schritt für Schritt über den Beton der Beton hat Risse
(der rote Musiker spitzt die Lippen und spielt einen langen roten Ton)
„Morgen früh wenn Gott will wirst du wieder geweckt.“
die weinende Frau schiebt ihr Baby über die Bürgersteige unter Laternen hindurch soviel Licht soviel hell es brennt brennt sich in mich das Fieber leuchtet durch meine Adern 39.5°C wer bin ich was ist von mir übrig wenn nur noch der Tumor bleibt?
(der blaue Musiker tappt mit dem Fuß auf den Holzboden)
Frau (Tumor) und Kind kommen Zuhause an
Fernseher
Schnarchen
tropfender Wasserhahn
Irgendwo in der Stadt sitzt auf einem unlackierten Holzstuhl ein alter Mensch und denkt darüber nach, sich das Leben zu nehmen.
Irgendwo in der Stadt sitzt auf einem unlackierten Holzstuhl ein alter Mensch und denkt darüber nach, sich das Leben zu nehmen.
spiegel spiegel an der wand tanz tanz tanz
Der Barkeeper steigt auf einen Stuhl hebt die Arme klatscht in die Hände die Kellnerin versucht ihn davon abzu und den Stuhl festzu die Kellnerin ist filigran und blond und manchmal kann sie fliegen auch sie friert immer ist sie ein Vogel?
(der gelbe Musiker zwinkert ihr zu und streift die Tasten die schwarz weißen siebenundachtzig diese weiße Linie noch diese Linie)
Rasierklinge auf Spiegel
Nase hochziehen
Toilettenspülung
Wenn jemand nicht er ein Solo spielt, tanzt der grüne Musiker. Er tanzt wie ein betrunkener Bär und die Leute lachen über ihn aber ihm ist es bitterernst.
„Er ist so verrückt, dass er wie ein Jackett wirkt, in dem niemand steckt!“ flüstert die Frau
in dem weißen Kleid an der Bar und nippt an ihrem Cocktail (Bloody Mary oder Tequilla Sunrise, nichts Blaues auf ... )
Der Barkeeper steigt von dem Stuhl als wäre nichts gewesen er putzt ein paar Gläser hält eines gegen das Licht streifenfrei grenzenlos beschädigte Zärtlichkeit alles verschwimmt wer bist du ich bin ich ich bin du wenn – in diesem Glas.
die Kellnerin darf nach Hause gehen und schläft (unruhig)
„Morgen früh“
die Mutter und das Kind schlafen
„wenn Gott will“
die Verliebten sind heimgefahren schlafen Seite an Seite
„wirst du wieder geweckt.“
der Barkeeper schließt ab geht hinauf fällt auf sein schmales Bett starrt noch an die Decke dann schläft auch er
Vogelzwitschern
Sonnenaufgang
Ampeln
„Morgen früh“
die Musiker stehen im streifenfreien Morgenlicht (Licht fängt sich wie Tau auf den Scherben, träumt die Kellnerin) schultern ihre Instrumente gehen
„wenn Gott will“
gehen über Beton der Beton hat Risse über Bürgersteige und Mittellinien schwarz weiß schwarz weiß Mittellinie wenn eine fehlt –
„wirst du wieder geweckt.“
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