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Fortschreitende
Herzschmerzen...
(Leseprobe aus: Fortschreitende
Herzschmerzen bei milden 18 Grad, Eine Erzählung, 2004, Kiepenheuer&Witsch)
Der Himmel über der Stadt war gelb, der Wind zu leicht du zu warm für die Jahreszeit, und sie hatte sich verliebt. So hätte sie es allerdings nicht ausgedrückt, wenn sie jemandem davon erzählt hätte. Sie hätte nicht zugegeben, dass sie an nichts anderes mehr denken konnte als an ihn. Sie fand sich kaum zurecht in diesem Zustand, mit dem sie nicht gerechnet hatte und der ihre Tage auffraß. Es waren unbewegliche Tiefdrucktage. Es hätte einmal stürmen müssen, fand sie, allein der Durchlüftung wegen. Doch über den Leichtmetalldächern hatte sich eine klebrige Milde breit gemacht, die nach Rost roch, und es kam ihr seltsam vor, dass die Verliebtheit sich anfangs immer ähnlich anfühlt, egal an welchem Ort, ganz gleich welches Wetter, und obwohl diejenigen, in die man sich im Lauf der Zeit verliebt, durchaus verschieden sind. Einmal, zweimal, zehnmal mag es einen erwischen in einem Leben, und jedes Mal ist es eine altbekannte Angelegenheit, aber doch so neu und vielversprechend, dass man vor Begeisterung die Stirn nicht fände, wollte man sich mit der flachen Hand drauf schlagen. Nie kann der Mensch wissen, will gar nicht wissen, wohin es führt, jenes eine, frisch verliebte Mal. Immer könnte es bedeutend sein, immer ist er oder sie ganz Anfänger, eine Weltstadt ändert nichts daran.
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