Quirinus Kuhlmann

Der 8. Kühlpsalm

Als er gleich völlig sahe di zeit des Kühlpsalters verkürtzet, und über alle Werners und Badhorse, Grosse und Kleine, di feurigen gerichte wesentlich angehen, nach zeichen, figuren, wesen, hauptwesen? verwundernd ausgesprochen im Nordcrith den 16 Mertz 1687, vir Monden nach Avglicanens Erblassung.

1.

Nun hat di welt, was si gesucht!
Si erndtet ein, was si so reich gesäet!
Elendig stehen aller sachen,
Di Gott so haüfiglich in seinen Knechten schmähten!
Wi wird nun das Gericht entbrennen unbekand?
Si meinen, si sind wohl, und sind vom abgrund trunken!
Was vorgespilt, empfängt sein wesen!
Es ist die eigne schuld, was gross und klein erwekkt.

2.

Si wusten wohl, das Gott allein selbständig,
Und alles seine gab, was si von ihm empfangen!
Si hatten die vernunfft, das ihrer Herrn Gesandten
Der Herren bildnüss trugen.
Was ist ein sterblich Printz zurechnen gegen Gott?
Ist dann ein Gottesknecht um Gottesrecht zuschimpffen
Sol das Geschöpff vorschreiben seinem Schöpffer,
Was vor Gesandten er zu ihnen wählen solte?

3.

Ach jämmerlicher stand, darein si nun gerathen!
Si libten Gott um Gold und nur ihr eignes glükk!
Ein ides wort des Knechts war schaden seinem Herren,
Als wann di eusre Welt vertrüge solche schmach!
Si waren Sündenvoll und wolten reine Menschen!
Ja dis war reinikeit zuthun nach eignem sinn!
Drum sind si gantz ins netz gefallen,
Und worden endlich blos Figuren Gottesgrimms!

4.

Imehr demüttiger mit ihnen man umging,
I mehr leichtfertiger erschin ihr gantzes Wesen!
Was heimlichst ihnen ward geoffenbahret,
Dis mus verrathen sein nach ihrem unverstand
Als auf di straff des Schöpffers si gewisen,
So musten si zu trutz verhöhnen und verhindern!
Wer war geringer doch als ihres Schöpffers Libling?
So fahr auch zorn und Rach nun ewigst auf si wider.

5.

Alle di Center di müssen nun wütten,
Grimmige straffen stets stündlich ausschütten!
Alle di Rachen di müssen erwachen,
Ihnen das ende nun greulicher machen!
Alle di ärgernis stehe belohnet!
Grosse und kleine bei ihnen enttrohnet!
Alle di halfen den Höchsten entehren,
Müssen ohn büssen di flüche vermehren!

6.

Was habt ihr angezündt, O höchstverfluchtste Schaaren!
Verderbet tausende, di Gott noch wolt bewahren!
Eur heilig aug in eures hertzens sinn
Erlange nun auch seinen Höllgewinn!
Lebet in schanden und banden auf Erden!
Erndtet mit heulen und beulen beschwerden!
Liblichste Freunde! Unschuldige Leute!
Scheidet di trauben vor rauben auch heute!

7.

Wart ihr sattsam nicht von uns gebeten?
Musten wir vor guttes sein vertreten?
Solte der becher im sakke uns stekken,
Das er uns ewigst hir solte beflekken?
Ob Christus wis mit uns, das wir sein eigner Sohn,
Dem zu dem erbnis kam von ihm bald thron und kron:
Doch waren die straffen vor dise behalten,
Di Gottes vorspile so teuflisch verstalten.

8.

Wir gehen höchsterlöst zum Gottes Wunder auf
Voll freuden, Wonne, Zir!
Der Feind und falsche Freund verbleibet in dem lauf!
Es kostet theuer hir!
Alle di Himmel erfüllen mein schreien!
Zu langsam ist der Heuchler Bus!Nun triffet si der hauptverdrus!
Ewig und ewig verbleibet ihr reuen.

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