LebensSpur von Edwin Kratschmer, 1964

Edwin Kratschmer

LebensSpur
(Leseprobe aus: LebensSpur, 1964/1999, Edition mk)

ich Nachkomme derer woauchimmer Davongekommener Hinterbliebener ungezählter Exekutionen hinterblieben im Teutoburger Wald auf den Katalaunischen Feldern bei Verden bei Lützen bei Königgrätz bei Austerlitz bei Verdun bei Stalingrad in Pschan ich Erbe der Million Jahre vor mir Nachkomme von Kannibalen Mordaffen Raufbolden Totschlägern Schlächtern Scharfrichtern wieviel Mandrillblut kreist in mir und was wasnurwas um Himmels willen was wenn diese erschröckliche Personnage zu der ich jahrelang unterwegs bin nichts weiter ist als die Versammlung meiner Mütter und Väter bis ins siebte Glied tragen sie nicht alle deren Namen was wenn das alles nur ich selber bin alles Reden und Schreiben nur eine Expedition in den Dschungel der ich selber bin was wenn ich immer nur mir selbst begegne auch wenn ich über die sieben Todsünden schreib oder über die sieben Himmel oder die sieben Höllen oder die sieben Weltwunder oder die sieben Dämonen oder die sieben Plagen oder die sieben Schalen des Zorns oder das siebentorige Theben oder die sieben Zwerge am Ende sind Kain und Abel gar nicht zwei sondern immer nur ich und wie sicher bin ich mir ob der Kannibale in mir nicht schon längst auf der Lauer liegt und nach einem Mahle giert

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