Laß still bei dir mich liegen von Theodor Kramer, 2005, Zsolnay

Theodor Kramer

Einer Arbeiterfrau
(Leseprobe aus: Laß still bei dir mich liegen, Liebesgedichte, 2005, Zsolnay, hrsg. von Erwin Chvojka und mit einem Nachwort von Daniela Strigl)

Ich komm verrußt und müd nach Haus
vom Werk noch mit dem Schritt der Schar;
mein Flausch haucht Blei und Laugen aus,
der kalte Schweiß verklebt mein Haar.
Und keine gute Wärme harrt
mein auf dem Flur, die mich empfängt
und mit dem Hemd, verschwitzt und hart,
die Schwere auf den Nagel hängt.

Es ist die gleiche harte Macht
in dir, die mich in deiner Näh
befällt, befällt, wenn ich bei Nacht
die Falten deiner Brüste seh,
die böse Macht, mir selbst zur Qual,
doch wider die kein Vorsatz frommt,
wie manchmal trocken bleibt und schal
der Gaumen, wenn kein Speichel kommt.

Und ob ich kenne auch den Zwang,
an dem leicht du auch leidest schlicht,
ich bin zu müd, um ihn dir lang
zu streichen aus dem Angesicht.
Zu hart hat uns die Müh verbraucht
schon, um einander so zu nahn,
daß Güte tief in Güte taucht
und gutmacht, was an uns wir sahn.

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