Idylle mit ertrinkendem Hund von Michael Köhlmeier, 2008, DeutickeMichael Köhlmeier

Idylle mit ertrinkendem Hund
(Leseprobe aus: Idylle mit ertrinkendem Hund, Erzählung, 2008, Deuticke).

Die Besuche am Friedhof tun uns gut. Aus diesem Grund unternehme ich nicht gern längere Lesereisen. Ich müsse das mit der Presseabteilung des Verlags besprechen, hatte Dr. Beer gesagt, er sei dafür nicht zuständig; er wäre auch zufrieden, wenn nur zwei Exemplare von jedem Buch, das er lektoriere, gedruckt würden, eines für den Autor, eines für ihn. Ich hatte nicht zu ihm gesagt: Seit dem Tod unserer Tochter möchte ich nicht mehr so lange von zu Hause fort bleiben. Ich hatte gesagt: "In letzter Zeit möchte ich nicht mehr so lange von zu Hause fort bleiben." Ich hatte gehofft, er werde fragen: Seit dem Tod eurer Tochter? Dann hätte ich geantwortet: Ja, seit Paulas Tod. Ich hatte gehofft, er werde fragen: Willst du mit mir darüber sprechen? Ich hätte geantwortet: Ja, das will ich. Alle unsere Freunde haben uns irgendwann gefragt, ob wie mit ihnen über Paulas Tod sprechen wollen. Mit Monika über den Berg zu gehen fällt mir schwer. Das wird niemals anders werden. Wir gehen an der Stelle vorbei, wo Paula und ihre Freundin abgestürzt sind. Die Freundin kam mit leichten Schürfwunden davon, Paulas Kopf schlug auf einen Stein. Sie war nie richtig auf dieser Welt gewesen, sagt Monika, sie hat den Boden nur mit den Fußspitzen berührt.

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