Mathias Knoll

Geschlossene Gesellschaft

Eine vorsichtige Grundhaltung im Leben - was ist dagegen einzuwenden? Warum sollen wir nicht zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens wissen, wie fragil die tägliche Ordnung ist? Vielleicht hat der Mensch deshalb den merkwürdigen Drang mit der Welt im Einklang zu leben.

Gerade, weil sich die Welt aber täglich ändert, sehnen wir uns nach dem geschlossenen Weltbild. Wer sucht da nicht die heile Welt? Dort, in diesem Paradies brauchst Du nicht mehr zu denken. Es reicht, wenn Du Dich wohl fühlst. Und jede Frage wird da zur Provokation…

Oder wir gründen einen Verein und hängen das Schild: „Geschlossene Gesellschaft“ an die Tür. Aber gerade das Weltbild dieser Gesellschaft hat oft nichts mit der Realität zu tun. Eine Realität, die jeder Durchschnittsbürger hochhält. Beliebt sind  Gedanken auf Spruchbandlänge und aus der Welt des Poesiealbums. Das kann trösten. Warum soll man sich da noch gegenseitig ins Wort fallen? Wenn einer den Mund aufmacht, hat ihn schon ein anderer falsch ergänzt. In dieser Welt haben alle Dinge ihren festen Platz – nur darfst Du daran nicht rütteln. Und schon wird die Meinung, die  sich die Menschen von der Welt machen, als Tatsache verkauft. Warum auch nicht? Schließlich hat jeder  dieselbe Meinung. Oder ist das nur die Furcht  vor der babylonischen Sprachverwirrung?

Rezension I Buchbestellung I home III08 LYRIKwelt © M.K.