Hotel Bayer von Walter Klier, 2003, Haymon

Walter Klier

Hotel Bayer
(Leseprobe aus: Hotel Bayer, Eine Geschichte aus dem zwanzigsten Jahrhundert, 2003, Haymon).

... dann und wann fuhren sie durch einen dieser ununterscheidbaren Orte, aus denen um diese Stunde alles Leben gewichen schien, am Straßenrand Hühner, Schweine, Hunde, mager und zerrupft und aufgeregt, die weiße Kirche, eine schmierige Bar mit einem einzigen Kunden in einer Ecke vor seinem lauwarmen Bier, das Gesicht grau, unrasiert, dazu die Vorstellung, an einem solchen Ort aus welchem Grund immer, und sei es, daß man dort geboren war, leben zu müssen, zu versacken, verdammt zu dieser Sorte von ereignislosem, schnapsgetränktem, am Ende in einem Rausch und dann einem Mord auslaufendem Faulkner-, Tschechow- oder McCullers-Leben verdammt, in hohlen Reden, hohlen Leidenschaften versinkend. Ein Stück weiter sah sie etwas, was sie aus der Ferne für eine Christusstatue hielt; als sie näher kamen, nahm diese menschenähnliche Gestalt die Form einer Flasche an. Vielleicht sieben oder acht Meter hoch und aus Holz. Sie stand da, mitten im Nichts; in großen Lettern leuchtete die Aufschrift: INKA-COLA.

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