Wie ich meine ersten drei Frauen verlor von Michael Klaus, 2001, PendragonMichael Klaus

Vor dem Fischrestaurant
(aus: Wie ich meine ersten drei Frauen verlor, Geschichten, 2001, Pendragon-Verlag).

Die Geschäftsleitung eines Fischrestaurants hat ein paar Stühle und Tische mitten in die Fußgängerzone stellen lassen. Dort sitze ich. Das Essen mußte ich mir selbst holen. Genau vor meinem Tisch treffen sich zwei Familien, die sich, wie sie sagen, seit Jahren nicht mehr gesehen haben.
Die eine Familie mit dem Rücken zum Bahnhof: Vater, Mutter, zwei Töchter und die Mutter mütterlicherseits. Die Frauen und Mädchen sehen gleich aus. Ihnen gegenüber Vater, Mutter, Sohn.
„Wie geht’s denn so?"
Die eine Mutter schaut auf eine ihrer Töchter und sagt:
„Karin ist jetzt vierzehn."
Und der Frager sagt: „Nein!" Die Frau des Fragers sagt: „Udo wird nächsten Dienstag elf."
Die Mutter der Töchter sagt: „Melanie ist jetzt dreizehn."
„Nein!", sagt der Vater von Udo.
„Mutter ist zweiundsiebzig!", sagt der Vater der Töchter.
„Unser Mittlerer wird zehn!", wird ihm geantwortet.
„Dann ist euer Kleiner ja acht!", wird gefolgert. Ich lege das Besteck zur Seite. Das Gespräch beginnt, mich zu interessieren.

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