aus: Homo falsus oder Der perfekte Mord
Souterrain. Eingangspartie im maurischen Stil. In einer Ecke ein Metallkalb auf einem Marmorsockel. Rauchfäden ziehen sich zu den perforierten Deckenplatten hoch. Ein Finger mit einem Ring mit gläsernem Rubin. Die helle Zunge eines Wegwerffeuerzeugs unter der Spitze einer Henri Wintermans (vom Pakistani auf der Toilette gekauft). Ein volles Bierglas ohne Schaum auf der Tischplatte. Eine bläuliche tätowierte Schildkröte auf einem nackten Oberarm. Die Frau, die sich vom Hintergrund löst, üppiger weißer Pelz. Das Licht gedämpft durch die hellgrünen und orangen Kuppeln. Das Schmetterlingsmuster der roten Samttapete verschwimmt. Eine Stimme aus der Dunkelheit: Showtime! Leichte Musik, Miss Kelly kommt die Treppe herunter, Stöckelschuhe auf blankem Parkett, Zuckerwatte-Haare unter dem Scheinwerfer, der Pelz wird spielerisch abgestreift, sinkt weich auf den Boden Wo? The Copper Calf, der berüchtigte Nachtclub in der irischen Hauptstadt, unmittelbar beim Dublin Castle? Durchaus möglich. Aber genausogut könnten wir uns im Goldenen Ferkel befinden, der von Karl Kraus beschriebenen Vergnügungsstätte, die sozusagen Wand an Wand mit dem Wiener Justizpalast lag. Oder in Barcelona, im El Toro de Plata (der Bar, wo die ersten Spuren des Schmugglers Olmstead gefunden wurden), nicht weit entfernt von der Sagrada Santa, Gaudís unvollendete Kathedrale. Viele von diesen Möglichkeiten. Verlassene Musikinstrumente auf ihren Ständern, tote zwergenhafte Zuschauer mit langen Hälsen im Hintergrund.
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