Michael
Kiesen
Die spiegelnde
Strafe
(Leseprobe aus: Die spiegelnde Strafe, Roman,
1996, Pendragon)
Ich fand, daß er James Dean ähnelte, als ich ihn
anrempelte, mich entschuldigte und ihm ins Gesicht sah. Die Lippen waren wohl
etwas schmaler als bei Dean, die Nase feiner, die Wangen straffer, aber die Form
des Gesichtes, die Proportionen waren fast gleich. Auch dieses blonde hochgekämmte
Haar... allerdings als Stoppeln, wie es gegenwärtig Mode war. Er reagierte
nicht ungehalten, lächelte. "Ist ja nicht viel passiert." Allerdings
schienen die Finger, die das Sektglas hielten, naß zu sein. Es war wohl doch
etwas herausgeschwappt. Ich hätte nochmals mein Bedauern ausdrücken und
weitergehen können. Die folgenden Monate wären geruhsamer für mich verlaufen.
Doch es war mir wirklich peinlich, daß ein Teil des Sekts verschüttet war.
Auch hatte der Typ eine angenehme Ausstrahlung. Und er sah James Dean ähnlich.
"Ich bringe Ihnen ein neues Glas Sekt. Was für eine Marke ist es
denn?"
"Das brauchen Sie nicht. Sind bloß 'n paar Tropfen raus."
"Doch, doch, ich hole Ihnen noch ein Glas. Die Marke?"
"Ich habe nicht darauf geachtet. Was man da drin so kriegt. Aber warten Sie
'ne Weile! Ich hab' noch was."
Er wies mit der freien Hand auf die Menschenschlange, die sich an uns
vorbeischob. "Schöne Mädchen laufen rum."
"Stimmt. Mir sind vorhin auch einige aufgefallen, die sehr attraktiv
waren."
Er streckte mir plötzlich eine Zigarettenschachtel hin. Ich lehnte ab. Er nahm
eine Zigarette, zündete sie an, sog gierig, wie mir schien, mit leicht
zusammengekniffenen Augen.
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