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Hemmersmoor
(Leseprobe aus:
Hemmersmoor, Roman, 2011,
Tropen-Verlag).
MARTIN
Wenn wir im Oktober das Erntedankfest begingen, fanden nach
dem Gottesdienst Feierlichkeiten in Fricks Krug statt, und am Nachmittag,
als die Tische und Bänke vom Bier klebrig waren, liefen die
Dorfbewohner auf den Platz hinaus, um dem alljährlichen Kochwettbewerb
beizuwohnen.
Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not, dem Dritten das Brot –
das alte Sprichwort beschrieb die Kolonisierung des Teufelsmoors,
aber unser eigenes Brot war noch immer hart und grau und sauer.
Sich für den Kochwettbewerb anzumelden war eine kostspielige
Angelegenheit; die Regeln schrieben vor, dass jedes Gericht für mindestens
vier Dutzend Leute zubereitet werden musste. Es gab drei
Disziplinen: bester Eintopf, bester Braten und bester Butterkuchen.
Für Butterkuchen war unser Bäcker Meier berühmt, und er lieferte
seine Backbleche zu Beerdigungen wie zu Hochzeiten aus. Bäcker
Meier gewann den Wettbewerb jedes Jahr, ohne jede Konkurrenz,
denn wer wollte sich mit ihm messen?
Der Eintopf-Wettbewerb wäre für einen Fremden – aber es kamen
nie irgendwelche Fremden – ein unappetitliches Schauspiel gewesen.
Man muss im Norden aufgewachsen sein, um Labskaus oder
Birnen, Bohnen und Speck wertschätzen zu können.
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