aus: Es könnte schlimmer sein
"Aber ich ärgere mich über
dich. Du summst immer dieselbe Melodie, du gibst zuviel Trinkgeld, du läßt das Radio an,
ohne daß du es merkst, und du tust an alles Koriander und gemahlenen Pfeffer. Wie könnte
ich so jemanden heiraten?"
"Ich tue nicht Koriander an alles. Nicht alles Grüne ist Koriander. Ich nehme
Basilikum, ich verwende Estragon."
"Egal, wir würden uns gegenseitig auf die Nerven gehen", sagte sie. "Ich
weiß, daß ich dir auf deine gehe."
"Tust du nicht. Ich bete alles an dir an."
Wir bepackten den Rücksitz des Fiat mit Blumen. Ich sagte: "Laß uns nach Hause
fahren. Ich möchte mit dir schlafen."
"Schön", antwortete sie. Und dann, auf dem Heimweg, meinte sie: "Was mich
noch an dir ärgert, ist, daß du immer ausweichst, um Auseinandersetzungen zu vermeiden.
Wieso hast du solche Angst vor Streit?"
"Du irrst dich", entgegnete ich. "Ich begrüße Streit. Ich blühe auf bei
Streit. Er erregt mich."
"Für mich", sagte sie, "ist Streit ein Zeichen dafür, daß man ernst
genommen wird. Für dich ist es ein moralischer Defekt. Das ist der Lutheraner in dir. Es
ist diese Laschheit. Du bist allen Menschen gegenüber lasch. Du nimmst dich selbst so
zurück."
Ich sagte ihr, sie solle den Mund halten von wegen lasch, oder ich würde anfangen zu
schreien.
"Es ist wahr. Ihr Lutheraner zieht ständig den Kopf
ein. Ihr entschuldigt euch instinktiv, wenn ihr einen Raum betretet oder wenn ihr jemanden
bittet, die Butter rüberzureichen. Ich habe das gesehen; ich bin eine Gelehrte und
ausgebildet, zu beobachten. Ihr werdet dazu erzogen, keine Aufmerksamkeit auf euch zu
lenken - ausdruckslos zu sein, farblos. Das ist irgendein altes Dienstmädchen-Gen. Meine
Leute sind verschroben und ein Haufen Nichtsnutze und verwirrte Dilettanten, aber sie
sagen, was sie denken. Deinen Leuten wurde beigebracht, sich zu beugen, zu kriechen, wenn
nötig."
Ich schaute ihr in die kühlen braunen Augen und sagte, ich würde jederzeit mit ihr
streiten, wenn mir danach sei. Über Literatur, Politik, Feminismus, was immer sie wolle.
Sie gab einen Schnarchlaut von sich. "Feminismus. Komm auf die Erde", sagte sie.
Ich bog in die Green Street und in die Auffahrt ein und fuhr vor die Garage. Wir
schleppten die Pflanzen raus und setzten sie in den Schatten unter der großen Eiche, und
ich goß sie.
"Feminismus", sagte ich. "Die Starrheit der politischen Korrektheit. Die
Farce des Multikulturalismus. Der Untergang von Shakespeare und Dickens im Klassenzimmer,
wo die Schüler statt dessen über Tagebüchern von Pfarrerstöchtern aus dem siebzehnten
Jahrhundert brüten."
"Geh mit meiner Mutter streiten. Sie ist die Feministin", sagte sie. "Ich
will dir was sagen. Laß uns über dich streiten. Du bist einer der trübsinnigsten
Menschen, die ich kenne, und du weißt es nicht mal."
Ich machte auf dem Absatz kehrt und ging auf das Haus zu und schrie über die Schulter
zurück: "Ich bin der heiterste Mensch in dieser Stadt!"
"Nur weil ich hier bin", rief sie. Sie rannte mir hinterher. Ich knallte die
Fliegentür zu und stampfte in die Küche. Sie war direkt hinter mir.
"Ich bin bekannt für Heiterkeit. Ich bin ein Gigant der Heiterkeit. Ein Monster
sogar." Ich streckte meinen Arm ziemlich erhaben aus. "Ist das die Küche eines
traurigen Mannes? Nein, ist es nicht. Es tut mir leid, daß meine Heiterkeit unbemerkt
geblieben ist, aber so sei es."
"Du knirschst nachts mit den Zähnen", sagte sie. "Du stößt Angstschreie
aus. Leute jagen dich, und du rennst so schnell es geht, aber du kannst nicht entkommen.
Und du weißt, wer sie sind."
Ich bat sie höflich, mir die Psychologie zu ersparen.
"Es sind die gespenstischen Figuren aus deiner Kindheit, John, und sie werden
größer, je weiter du wegläufst. Diese Menschen haben dich in die Flucht gejagt, und,
John, wenn Menschen dich in die Flucht treiben, haben sie mehr Macht über dich, als wenn
du dich ihnen stellst und gegen sie kämpfst und verlierst. Wegzulaufen fühlt sich an wie
Freiheit und ist genau das Gegenteil. Die einzige Möglichkeit, sie loszuwerden, ist,
zurückzugehen und ihnen zu sagen, was du denkst, und aufzuhören, so verdammt freundlich
zu sein, und wenn du das tust, dann wirst du nicht mehr jedesmal zu einem errötenden
Fünfzehnjährigen werden, wenn du mit ihnen zusammen bist."
Ich hatte reichlich genug von dieser Unterhaltung. Ich drehte mich um und zog ihr das
T-Shirt über den Kopf. Ich schüttete ihr ein bißchen Wein über die Schultern, um sie
zusammenzucken zu sehen, und leckte ihn ab, die Rinnsale, die über ihre Brüste und ihren
Rücken liefen.
Ich zog mein Hemd aus und schnallte den Gürtel auf und ließ die Hosen runterfallen. Ich
kniete auf den Boden und zog ihr Shorts und Schlüpfer bis auf die Knöchel runter, und
sie stieg heraus.
"John", sagte sie, "wenn du mich liebst, warum habe ich dann nie deine
Eltern kennengelernt?"
An diesem Nachmittag lagen wir nach dem Liebesakt zusammen, nackt, das Haar feucht, mein
Arm über ihrem Bauch, und sie sagte: "Bist du sicher, daß du Lutheraner bist?
Könnte ich deinen Ausweis sehen?"
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