Es könnte schlimmer sein von Garrison Keillor, 2002, ZsolnayGarrison Keillor

aus: Es könnte schlimmer sein

"Aber ich ärgere mich über dich. Du summst immer dieselbe Melodie, du gibst zuviel Trinkgeld, du läßt das Radio an, ohne daß du es merkst, und du tust an alles Koriander und gemahlenen Pfeffer. Wie könnte ich so jemanden heiraten?"
"Ich tue nicht Koriander an alles. Nicht alles Grüne ist Koriander. Ich nehme Basilikum, ich verwende Estragon."
"Egal, wir würden uns gegenseitig auf die Nerven gehen", sagte sie. "Ich weiß, daß ich dir auf deine gehe."
"Tust du nicht. Ich bete alles an dir an."
Wir bepackten den Rücksitz des Fiat mit Blumen. Ich sagte: "Laß uns nach Hause fahren. Ich möchte mit dir schlafen."
"Schön", antwortete sie. Und dann, auf dem Heimweg, meinte sie: "Was mich noch an dir ärgert, ist, daß du immer ausweichst, um Auseinandersetzungen zu vermeiden. Wieso hast du solche Angst vor Streit?"
"Du irrst dich", entgegnete ich. "Ich begrüße Streit. Ich blühe auf bei Streit. Er erregt mich."
"Für mich", sagte sie, "ist Streit ein Zeichen dafür, daß man ernst genommen wird. Für dich ist es ein moralischer Defekt. Das ist der Lutheraner in dir. Es ist diese Laschheit. Du bist allen Menschen gegenüber lasch. Du nimmst dich selbst so zurück."
Ich sagte ihr, sie solle den Mund halten von wegen lasch, oder ich würde anfangen zu schreien.
"Es ist wahr. Ihr Lutheraner zieht ständig den Kopf
ein. Ihr entschuldigt euch instinktiv, wenn ihr einen Raum betretet oder wenn ihr jemanden bittet, die Butter rüberzureichen. Ich habe das gesehen; ich bin eine Gelehrte und ausgebildet, zu beobachten. Ihr werdet dazu erzogen, keine Aufmerksamkeit auf euch zu lenken - ausdruckslos zu sein, farblos. Das ist irgendein altes Dienstmädchen-Gen. Meine Leute sind verschroben und ein Haufen Nichtsnutze und verwirrte Dilettanten, aber sie sagen, was sie denken. Deinen Leuten wurde beigebracht, sich zu beugen, zu kriechen, wenn nötig."
Ich schaute ihr in die kühlen braunen Augen und sagte, ich würde jederzeit mit ihr streiten, wenn mir danach sei. Über Literatur, Politik, Feminismus, was immer sie wolle.
Sie gab einen Schnarchlaut von sich. "Feminismus. Komm auf die Erde", sagte sie.
Ich bog in die Green Street und in die Auffahrt ein und fuhr vor die Garage. Wir schleppten die Pflanzen raus und setzten sie in den Schatten unter der großen Eiche, und ich goß sie.
"Feminismus", sagte ich. "Die Starrheit der politischen Korrektheit. Die Farce des Multikulturalismus. Der Untergang von Shakespeare und Dickens im Klassenzimmer, wo die Schüler statt dessen über Tagebüchern von Pfarrerstöchtern aus dem siebzehnten Jahrhundert brüten."
"Geh mit meiner Mutter streiten. Sie ist die Feministin", sagte sie. "Ich will dir was sagen. Laß uns über dich streiten. Du bist einer der trübsinnigsten Menschen, die ich kenne, und du weißt es nicht mal."
Ich machte auf dem Absatz kehrt und ging auf das Haus zu und schrie über die Schulter zurück: "Ich bin der heiterste Mensch in dieser Stadt!"
"Nur weil ich hier bin", rief sie. Sie rannte mir hinterher. Ich knallte die Fliegentür zu und stampfte in die Küche. Sie war direkt hinter mir.
"Ich bin bekannt für Heiterkeit. Ich bin ein Gigant der Heiterkeit. Ein Monster sogar." Ich streckte meinen Arm ziemlich erhaben aus. "Ist das die Küche eines traurigen Mannes? Nein, ist es nicht. Es tut mir leid, daß meine Heiterkeit unbemerkt geblieben ist, aber so sei es."
"Du knirschst nachts mit den Zähnen", sagte sie. "Du stößt Angstschreie aus. Leute jagen dich, und du rennst so schnell es geht, aber du kannst nicht entkommen. Und du weißt, wer sie sind."
Ich bat sie höflich, mir die Psychologie zu ersparen.
"Es sind die gespenstischen Figuren aus deiner Kindheit, John, und sie werden größer, je weiter du wegläufst. Diese Menschen haben dich in die Flucht gejagt, und, John, wenn Menschen dich in die Flucht treiben, haben sie mehr Macht über dich, als wenn du dich ihnen stellst und gegen sie kämpfst und verlierst. Wegzulaufen fühlt sich an wie Freiheit und ist genau das Gegenteil. Die einzige Möglichkeit, sie loszuwerden, ist, zurückzugehen und ihnen zu sagen, was du denkst, und aufzuhören, so verdammt freundlich zu sein, und wenn du das tust, dann wirst du nicht mehr jedesmal zu einem errötenden Fünfzehnjährigen werden, wenn du mit ihnen zusammen bist."
Ich hatte reichlich genug von dieser Unterhaltung. Ich drehte mich um und zog ihr das T-Shirt über den Kopf. Ich schüttete ihr ein bißchen Wein über die Schultern, um sie zusammenzucken zu sehen, und leckte ihn ab, die Rinnsale, die über ihre Brüste und ihren Rücken liefen.
Ich zog mein Hemd aus und schnallte den Gürtel auf und ließ die Hosen runterfallen. Ich kniete auf den Boden und zog ihr Shorts und Schlüpfer bis auf die Knöchel runter, und sie stieg heraus.
"John", sagte sie, "wenn du mich liebst, warum habe ich dann nie deine Eltern kennengelernt?"


An diesem Nachmittag lagen wir nach dem Liebesakt zusammen, nackt, das Haar feucht, mein Arm über ihrem Bauch, und sie sagte: "Bist du sicher, daß du Lutheraner bist? Könnte ich deinen Ausweis sehen?"

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