Heinz Kattner

Morgen
(Leseprobe aus: Unauffälliges Zittern, Gedichte, 1995, Zu Klampen)

Kein Innenbild, kein Traum 
übersteht diesen Tag ohne Schaden.
Von außen kommen Befehle 
wie sich das Auge bewegen soll.
Das Herz schreit nein. Doch das Auge
weigert sich nicht.

Noch ruht das Licht 
über dem Rand am Horizont.
Schon hat das Vieh sich sattgefressen. 
Auf ein lautloses Zeichen hin 
verstummen die Vögel.

Dann der; der mit blankem Metall und Dröhnen 
die Erde aufreißt in dunkle Furchen. 
Aufgebrochen liegt sie da in einem 
Gleichmaß, das bleibt immer fremd. 
Und schwebte nicht ein Stöhnen darüber 
bevor ich erwachte und das eigene wahrnahm.

Der Morgen diese Tages beginnt 
wie jeder; und jeder ist der zweite 
zwischen einem, der bekannt ist, und einem 
der dem heutigen unbekannt folgen wird. 
Ist der unbekannte immer der ersehnte.

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