Durch die Gleitsichtbrille von Gerard Kanduth, 2011Gerard Kanduth

Durch die Gleitsichtbrille
(Leseprobe aus: Durch die Gleitsichtbrille, Ein heiter-ironisches Panoptikum, 2011, Mohorjeva/Hermagoras)

Tüdeldi, Tüdeldi, das Telefon, so früh am Morgen, nach dieser kurzen Nacht und mit diesem Schädel. Das verhieß nichts Gutes.
Commissario, hier Cesare, Commissario, Sie müssen schnell kommen!
Was ist los, wer bin ich und wieso ruft mich wer an?
Commissario, wachen Sie auf, hier ist Cesare, man hat eine Frauenleiche gefunden, unten am Strand. Sie ist angespült worden.
Cesare, bist du jetzt völlig verblödet, wir sind in Meran, da gibt es keinen Strand und kein Meer.

Brancino war jetzt hellwach.
Vergessen Sie Meran, Commissario, wir sind im siebzehnten Band, der spielt in Jesolo. Die Alte will es so.
Wie komme ich dazu
, fragte Brancino mehr sich selbst als Cesare,
das lasse ich mir nicht gefallen, da mache ich nicht mit. Ich bin ein Alpenkommissar, aus Südtirol, das ist etwas Neues, ich komme ohne Meer, Canale Grande und Gondeln aus, mir blasen die Alphörner um die Ohren.
Commissario, Alphörner gibt es in der Schweiz und Gondeln nicht in Jesolo, sondern in Venedig.
Dort sollen sie auch bleiben, verdammt, ja!

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