Der Rosenmaler von Márton Kalász, 2003, vnb

Márton Kalász

Erlkönig
(aus: Der Rosenmaler, Gedichte, ungarisch/deutsch, 2003, Verlag der Nessing'schen Buchdruckerei - Übertragung aus dem Ungarischen Paul Kárpáti).

Eilig durchquert hab' ich ganze Regionen,
Nebel- und Schneefluren passiert. In Glast jäh
fixierte Frost die Autoreifenspuren.
Gehastet nachgerade - auf der Rückfahrt, obschon
fort aus dem Land, der Stadt, fort von daheim.
Wieso bin ich nicht einmal traurig? Wieso ist die
drollige Melodie in den sprachlosen forschen Ritt gestrebt
daß keinen Halt noch Weg ich fand
gedanklich ihr zu folgen? In der Tat
wollt' ich nicht einmal meinen Ohren trauen -
und doch kommt sie und kommt, vom Motor, in mir, mit mir.

Es war's: vertraut die Weise. Gleichwohl gescheitert
die Lippen mir zu regen ist das Idiom schon.
Mag's unzutraulich, falsch gestimmt sein - ich krieg's
raus, laßt mich nur des Lieds Verse erst auffinden.
In der Quetsche - nein, wie wenn ein Kiesel einem
die Kehle hat lädiert - jetzt bloß nicht runter-
schlucken, aus ja nicht spucken. Kurve so um Kurve
fegte ich hinter mich - ebenso, später, auf dem Sprachweg -
Irgendetwas? Es stößt, ob ich's nun will ob nicht
in mir drinnen auf Schneesträhnen, in Windböen,
Wort zu werden ist der Moment versäumt.

Drin, präpariert: der Melodien-Grat. Gegrübelt
hab ich gehörig, ungebärdiger als ohnehin schon -
ein Schnitt, und zweigeteilt von Wassers und
des Lichts Wallung mein fragmentiert's Gesicht.
Ist partielles Schau'n zu wenig? Eben erst geformt,
springt's ab: so wölfisch Andres. Offene Hand in Eisen,
Dämmergrau: trieselnden Tellers Äderung, darauf:
Abkehr - mündet der Weg in pures Granulat?
Mein Double, abgekehrt, wechselt ins Schleierlicht die Bahn,
von da ab rollt der Wagen dann. Ein endlich' Hügel -
es gellt auf der Wegkante hart, herzseitig.

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