Der lange Gang über die Stationen von Reinhard Kaiser-Mühlecker, 2008, HoCa

Reinhard Kaiser-Mühlecker

Der lange Gang über die Stationen
(Leseprobe aus:
Der lange Gang über die Stationen, Roman, 2008, Hoffmann und Campe).

Ganz am Anfang standen einzelne lange, mit Eis überzogene Grashalme aus einer harten Schneedecke hervor, und kein Wind konnte sie bewegen. Drinnen, im Haus, lag der Tabakbeutel, daneben zwei in Rechteckform zurechtgeschnittene Papierchen auf dem schweren Küchentisch. Dazwischen die gestopfte Pfeife mit dem langen, sich zweimal biegenden Hals. Das Aroma des Tabaksbreitete sich in der Küche aus. Die Türen waren geschlossen und die Luft im Raum aufgewärmt.Meine Frau kam auf mich, der ich dort am Tisch nach hinten gelehnt, das Kreuz hohl und die Beine ganz durchgestreckt, saß, zu. Sie hatte den Lappen mit der übergroßen hellen Schlaufe zum Aufhängen in der Hand undließ es sich nicht nehmen, nach dem ausgiebigen Frühstück gleich den Tisch zu wischen. Im Milchtopf war nur noch eine dicke Rahmschicht ganz unten am Topfboden, in der sich eine Fliege auf eine Art rührte, als hätte sieda in dem Augenblick eine mühsame Arbeit zu verrichten. Eine der Katzen strich mit aufrechtem Schwanz engum meine Beine, sodass es den Stoff der Hose gegen die Haut drückte; dabei miaute sie, oder sie schrie, das Maul weit aufgerissen und das Körnige der Zunge deutlich sichtbar. Ich betrachtete das in die Tischplatte Geschnitzte, bis mein Blick unscharf wurde; es steckten mir noch die Müdigkeit und der Schlaf in den Knochen.

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