Abendglocken von Hugo C. Jüngst, 1921Hugo C.Jüngst

Träume
(Leseprobe aus: Abendglocken, Gedichte, 1921, Literarische Anstalt Hagen i./W.).

Wohl zieht in machen stillen Traumesstunden
Ein Glückverlangen durch mein heißes Herz.
Dann fühl' ich meines Leidens Nacht entschwunden
Und geh' im Geiste sehnend sonnenwärts.

Dann seh' ich Augen, die mich lächelnd grüßen,
Und rote Lippen, die mir lockend blüh'n,
Und fühl' mit Urgewalt den heißen, süßen
Glutstrom des Lebens durch die Adern zieh'n.

Dann such' ich in des Traumes leisem Schweben
Die hellen Augen, die mir einst gelacht,
Und taste, wenn sich schon die Schatten heben
Nach deiner Hand...dann ist es wieder Nacht.

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