Abendglocken von Hugo C. Jüngst, 1921Hugo C.Jüngst

Zweierlei Dinge
(Leseprobe aus:
Abendglocken, Gedichte, 1921, Literarische Anstalt Hagen i./W.).

Zweierlei Dinge helfen dem Menschen das Leben ertragen:
Hoffnung das eine. Sie treibt den Werdenden vorwärts.
Gaukelt ihm Bilder des Glücks vor seine suchende Seele.
Daß er in rastlosem Lauf ihre Verwirklichung sucht.
Aber entschwand sie vor der Enttäuschungen endlosen Kette,
Wird doch die Seele nicht welk, das Herz dir nicht leerer;
Denn mit gesegneter Hand führt die Erinn'rung uns weiter,
Spinnt um den dunkelsten Tag hold ihres Lichtes Geleucht.
Selbst deine Leiden zeigt sie dir mild in verklärendem Schimmer,
Lindert den Schmerz, den wilden, zu schweigender Wehmut...
Brachte die Hoffnung dem Sinn Unrast und fieberndes Sehnen,
Führt die Erinn'rung dein Herz lächelnd zum Frieden zurück.

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