Friedrich Georg Jünger

Wasserspiele
(Leseprobe aus: Der Missouri, Gedichte, 1940, Verlag Klostermann).

Wasser, die ihr mit dem Lichte
euch verbindet, welch ein Leuchten,
welch ein Glanz, ein lebensvoller,
fließt wie Feuer aus dem Feuchten.

Alles formt sich zum Kristalle,
leichter, freier sich ergießend,
wie aus Kelchen Licht verschenkend,
wie aus Bechern überfließend.

Wie durch Gläser geht ein Klingen,
geht ein Singen, geht ein Beben.
Es beginnt in Wasserspielen
heiterer der Geist zu leben.

Ja, schon fühl ich mich verwandelt.
Bin ich denn nicht selbst die Quelle?
Und wie Iris schlank und lieblich?
Und behend wie die Forelle?

Fließ ich nicht auf diesen Kieseln
an der Ufer hellem Strudel,
über weißem Sand mich wiegend
und mich hebend mit dem Sprudel?

Wasser senkt sich, Wasser hebt sich,
das Bewegliche bewegt sich,
dreht sich, leuchtet und entschwindet,
und der Wassergeist, er regt sich.

Wiederkehrend reiht und bindet
ruhlos Welle sich an Welle,
Nur im Wechsel bleibt ein Gleiches,
nur im Wandel lebt die Quelle.

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