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Thaddeus
(Leseprobe aus:
Thaddeus und der Februar, Roman, 2010,
Eichborn).
Wir saßen auf dem Berg und sahen den Ballons zu. Die
Flammen in den Ballons erhitzten die Hüllen, bis sie in Neonfarben glühten. Die
Kinder spielten Vorhersage.
Sie zeigten auf Löcher am Himmel und warteten. Manchmal glühten alle Ballons
gleichzeitig und bildeten ein Lichterzelt über der Stadt, unter deren Dächern
die Traurigkeit des Februars wuchs. Nächte wie diese werden bald nicht mehr
sein, flüsterte mir Selah ins Ohr.
Die Tage wurden kälter, die Wolken dichter. Wir saßen auf dem Berg und sahen den
Ballons zu. Die Flammen in den Ballons erhitzten die Hüllen, bis sie in
Neonfarben glühten.
Nächte wie diese werden bald nicht mehr sein, sagte Bianca. Sie kam aus dem Wald
gerannt. Dort hatte sie drei Kinder gesehen, die den Eulen die Hälse umdrehten.
Nächte wie diese werden bald nicht mehr sein, sagten die Metzger und schritten
den Berg hinab.
Wir saßen da, um die Ballons zu sehen, ein letztes Mal. Die Neonfarben brannten
sich uns ins Gedächtnis ein. Überall in der Stadt quiekten die Schweine, die
Scheiben klirrten. Ein Schweinsrüssel, massig und rosa, strich über die Rundung
eines Ballons. Der Stoff spannte sich um die dunklen Nasenlöcher - bis zum
Zerreißen, und so blieb er.
Noch immer standen die Kinder mit erhobenen Laternen in einer Reihe, um zu
sehen, wie der erste Februarschnee die Felder bedeckte. Selah senkte den Kopf.
Selah faltete die Hände im Schoß. Selah sah die Hinterköpfe der Kinder, sah, wie
sich Eisklümpchen in ihren Haaren bildeten.
Wir können nur beten, flüsterte sie. Ich betrachtete Selah und dachte an die
Löwenzahnblüten zwischen ihren Zähnen. Ich dachte an eine heiße Sonne, einen
schmelzenden Eisberg in ihren gefalteten Händen. Sie fassten sich zu Dutzenden
bei den Händen und bildeten Kreise um ihre zusammengefallenen, schwelenden
Ballons. Seidene Globen aus Magenta Grasgrün Himmelblau. Schlammbespritzt,
durchnäss vom Weihwasser, mit schwarz versengten Nähten.
Ich verstehe das nicht, sagte Bianca. Ich auch nicht, sagte Thaddeus. Macht das
der Februar?, fragte Bianca. Vielleicht, sagte Thaddeus, der zum Himmel aufsah.
Ein Pergament, an eine Eiche genagelt, proklamierte das Ende von allem, was
fliegen konnte. Die ganze Stadt versammelte sich um den Baum, um die Inschrift
zu lesen. Trompeten klagten in den Wäldern. Vögel fielen von den Zweigen. Die
Priester liefen äxteschwingend durch die Straßen. Bianca klammerte sich an
Thaddeus? Bein, er hob sie auf die Schultern und sagte ihr, sie solle seinen
Hals umfassen wie einen jungen Baum, und dann rannte Thaddeus.
Vor dem Haus, in dem sie wohnten, lagen die Ballons auf der Erde ausgebreitet,
die Körbe von Äxten zerhackt. Priester tauchten ihre Laternen in die Hüllen.
Thaddeus, Selah, Bianca und andere aus der Stadt fassten sich bei den Händen und
bildeten einen Kreis Februar, wiederholten sie, Februar, bis der Sprechchor zum
Gesang wurde. Bis alle das Bäumchen zu sehen glaubten, das aus der Mitte der
brennenden Ballons spross
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