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Sommerweise
(Leseprobe aus: Elchzeit, Gedichte, 2007, Droschl)
Jetzt ist fast nichts.
Es kommt durchs Fenster.
Es ist eine Weindrossel, die nicht aufgibt.
Es ist dieses staubige Licht.
Es ist nicht die Stille, es ist fast still,
wofür »Stille« als Euphemismus steht.
Es ist der Schwarm Schwalben nahbei.
Es ist die Schwierigkeit
die so viele von uns mit der
Deutungslosigkeit haben.
Es sind u.a. ein umgebautes größeres Außenklo,
ein Wohnwagen, ein dreckiger Nagel
und Augen auf verdorrte Zweige an einer Ulme.
Es ist kein Gewitter.
Es ist fast nichts.
Es ist nicht einmal eine Weindrossel, die sich nicht aufgibt,
es ist ein Eichelhäher, eine Weindrossel nachahmend,
die nicht aufgibt, es ist das Wissen
dass es tatsächlich so ist.
Es ist der Überdruss nach dem 14. Juli.
Es ist fast nichts.
Es ist die Informationsflut der Vergewaltigungen in Srebrenica
und Lotta Engbergs »totale Tabus«.
Es ist dieser Ohnmachtszwang.
Es ist Regen, der Saat aus trockenen Böden treiben sollte.
Es ist das Gras, das am stärksten ist; wäre Leben Gras, Fleisch Heu.
Es sind Schmetterlinge, deren Namen ich nicht kenne.
Es ist der Tod, dem widersprochen wird, ist dem so?
Es ist fast nichts.
Es ist der Rest.
Rezension I Buchbestellung I home 0I07 LYRIKwelt © Droschl/B.E.J.