Juan Ramon Jimenez

Schwarzer Wind, weißer Mond...
(Übertragung Johannes Beilharz)

   Schwarzer Wind, weißer Mond.
Nacht aller Heiligen.
Kälte. Die Totenglocken
auf der ganzen Erde läuten.
   Der Himmel hart. Am Boden
ein Blau von unten zur
romantischen Beleuchtung
der trockenen Kirchtürme.
   Laternen, Blumen, Kronen,
– läutende Totenglocken! –
... Breiter Wind, großer Mond,
Nacht aller Heiligen.
...Tot wandle ich im bitteren
Licht der Straßen und rufe
mit ganzem Körper nach Leben;
ich möchte geliebt werden; ich rede
mit allen, die mich stumm
gemacht haben, schluchzend rede ich,
rot vor Liebe das verächtliche
Blut meiner Lippen.
   Und ein anderer möchte ich sein,
ein Herz haben und unendliche
Arme und ein unermessliches
Lächeln für die Klagen
derer, die durch meine Schuld
Tränen vergossen!
                            ...Aber vielleicht
kann ein begrabenes Herz ja
von seinen Rosensträuchern reden?
   – Herz, wie tot du bist!
Morgen jährt sich dein Tod!
   Sentimentalität, Kälte.
Die Stadt läutet für die Toten.
Weißer Mond, schwarzer Wind.
Nacht aller Heiligen.

(Zum Orginal)

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