|
|
Der Hühnergott
(Leseprobe aus: Der Hühnergott,
Erzählungen, 1966/Verlag Kultur und Fortschritt/1985, Zsolnay - Übertragung Thomas
Reschke).
Der Hühnergott - das ist ein Meeressteinchen mit einem kleinen Loch. Man sagt,
die Krimtataren hätten geglaubt, daß ein solches Steinchen, mit einem Faden an
die Hühnerstange gehängt, das Federvieh zu verbesserter Legetätigkeit ansporne.
Daher auch der Name Hühnergott. Später kam der Glaube hinzu, ein Hühnergott
bringe auch den Menschen Glück. Mit scheint, ein bißchen glaubt jeder an solche
Glücksbringer: die einen mit kindlich-vertrauensseliger Offenheit, die anderen
heimlich, mit mürrischer Verbissenheit.
Ich glaube heimlich daran.
Immer wenn ich am Meer war, wünschte ich mir sehr, einen Hühnergot zu finden, aber in diesem Sommer ganz besonder.
(...)
Rezension I Buchbestellung I home III10 LYRIKwelt © Zsolnay