Abraham
(aus dem
Band "Sie sagen und andere Gedichte", 2001/2002, Übersetzung von Agnieszka
Rzadca)
1
Warum
habe ich es Sara nicht gesagt?
2
Diese Reise dauerte eine Ewigkeit,
als ich auf dem Eselchen
meinen Sohn wegbrachte,
um ihn zu töten.
Eis hatte ich im Schädel.
Mein Herz wurde zu Stein.
3
Ist das meine Hand,
über den Felsen erhoben,
die die Unschuld umbringen soll?
4
Ich habe nicht " n e i n " gesagt,
bin ich noch immer Mensch.
5
Die ganze Nacht über denke ich daran,
dass ich mein Kind töten sollte,
das mich am Morgen gefragt hatte:
"Vater, und wo ist das Opfer?"
6
So viele Jahre haben wir gewartet,
dass Du, mein lieber Sohn, geboren wirst.
7
Warum
habe ich es Sara nicht gesagt?
8
In der Finsternis ist das Messer verloren
gegangen,
mit dem ich dich umbringen sollte.
Wer hob dieses Messer von der Erde auf?
9
Ich verstehe nichts, Herr.
Der Sinn ist zu groß für mich.
Auch Sara kann nicht begreifen.
In ihrem Körper hast Du einen Aufruhr ausgelöst.
10
Es war auf dem Berg in Morija.
Und wäre besser
nicht geschehen.
- - - - - -
- - - - - - - - - -
- - - - - -
Isaak, berichtet die Bibel,
trug bis ans Ende seines Lebens
um den Hals ein Band der Schande.
Rezension I Buchbestellung I home IV06 LYRIKwelt © Z.J./A.R./