orten vernähte alphabethien von Angelika Janz, 2002, Wieker Bote

Angelika Janz

Ich versäume
(Leseprobe
aus: orten vernähte alphabethien, Gedichte, 2002, Verlag Wiecker Bote)

Ich versäume, was meins war,
ich räume mich weg.
Ich spreche vom Sprechen-
können, rede, als sei
ich bei mir.
Die Tage voller Verluste,
wenn an mir vorbei
die Baracke vor Erinnerung
glühte. Verhaftete Frauen,
gebunkerte Männer, gesicherte Kinder.
Ich räume mich weg, ver-
säume, was meins war, wenn
an mir vorbei Arbeitsplätze
abgewickelt zerfasern, oh mein
heiliges, unantastbares,
bis zum Letzten Aufgehobenes,
privates Gespräch mit dem Chef!
Denken Sie an meine Frauen?
Denken Sie an unser Projekt?
Darf ich Ihnen erklären, warum
es in dieser Gesellschaft immer noch das Phänomen der Jugend gibt?
Pardon, wofür ich hier gerade stehe, das sichert Ihre Zukunft.
Die spucken, treten, zerstören?
Was denn, was denn weg
und aus dem Weg?
Ich erinnere, ich räume mich aus, ja,
ich hatte Vorbilder: Die saßen an all den Stellen
damals, wo heute die Kapitalertragsnutznießerrechner sitzen,
damals saßen solidarische Freunde dort,
die sich sogar Sorgen machten.
Ich versäume, was meins war, aber, Chef;
ich räume mich nicht weg!

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