Nicht hin..s.eh.en
(Leseprobe aus: Nicht hin..s.eh.en,
Sequenzen, 2007, Satyr
Verlag, Vorbemerkungen Andreas Hansen, Zeichnungen von Antje Kahl)
Manchmal ist der Regen nur naß und nicht
Kindheit am Arnimplatz sonntags in Pfützen wie Ozeane unter schwerem Grün.
Manchmal ist es
unmöglich, durch einen Park zu gehen, um einfach durch einen Park zu gehen. Die
Grenzwerte fließen. Die Zeichen der Dinge stehen fest von
A bis Z, wenn ich schweige. Zwischen den Buchstaben liegt ein angeschossener
Vogel, ein verletzter Trinker auf dem S-Bahnhof Prenzlauer Allee.
Unter einem ausgezehrten Himmel der Gleiskörper der Stadtbahn. (…)
Wenn er von den seltenen Einkäufen zurückkam, machte sie das Essen oder wusch
ein paar schwarze Hemden und hing sie aus dem Fenster wie
Fahnen. Es war Sommer und es war heiß. Wenn der Ventilator ausfiel, trug der
Wind am Nachmittag den Geruch von Autos und Schornsteinen
ins Zimmer.
Später lagen sie auf dem Bett, zwei Gläser Orangensaft mit Eis neben sich,
eine Zigarette rauchend, leise. (…)
Darüber nachzudenken, was wem nützt, ist Teil eines Fehlers, der andere Teil,
nicht zu wissen mit wem man spricht am Schreibtisch, vor oder
hinter Scheibe des Schalters, im Caféhaus, Bus- oder S-Bahnwaggon, am Morgen
gegen Ende des Winters in einem kalten Zimmer voller Koffer,
Urkunden und Briefe hinter dem Ofen und hinter dem Abschied vertauscht die
Bewegung das Ziel. Geteilte Fehler sind doppelte Fehler. (…)
Rezension I Buchbestellung II07 LYRIKwelt © Satyr Verlag