Martin Jankowski

lösen / schneeregen 13. november, 11:23 Uhr,
hinterhaus, dritter stock, zweites zimmer links,

jenseits der schartigen knarrenden schwelle
streift mir das gierig zitternde gras
das plötzlich aus hölzernen Dielen dringt
die steiffeuchten stiefel von frierenden füßen
noch während die wand die türe verschlingt
überfällt mich in schwällen ein warmer geruch
von möbeltiern und bedrucktem papier

windkaskaden werfen den mantel
in gebreitete äste neben dem ofen
ein schwarm wilder vögel
schreckt auf hinterm bett
malt silberne bögen
um die lampe ins blau
stößt lautlos hinein in die windige weite
zwischen schreibtisch und schrank

der klang deiner augen tanzt durch die steppe
von teppichbewohnern freundlich beäugt
das telefon wispert den magischen singsang
des wassers das fern von den bergen fällt
die kanten des bettes beginnen zu wuchern
verlieren sich wiegend am ufer des meeres
wir taumeln erblindend im schaum der gedanken
verflechten verwachsen zerschreien den raum
der einst zwischen häuten gewesen sein könnte
wir tauchen und fließen verschwimmen im licht
die töne von wolken und städten in uns
unmöglich den gierigen tanz zu beenden
planeten zerkreisen die jahre vergehen

einmal
als wir keuchend uns
wiedererkennen
blüht lautlos der kaktus
auf dem fensterbrett

(1998)

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