Ernst Jandl

zwei bräute : ein deutsches denkmal

goethe:

komm und stirne mich mein kind
denn ich habe viele stellen
unter denen keine sind
die nicht aus dem herzen quellen

schiller:

komm und herze mich mein kind
denn ich habe viele stellen
unter denen keine sind
die nicht aus der stirne quellen

Rezension I Buchbestellung I home IV12 LYRIKwelt © Luchterhand Literaturverlag

Kommentar (Ulrich Bergmann):

Der Geist von Weimar

Der gute Mensch gibt acht:
Die Freiheit des moralischen Gesetzes will er,
besonders wenn er angefacht
vom Kaffee nachdenkt vis à vis von Schiller.

Doch wird er wieder schwach:
Er spürt auf seinen Wangen heiße Röte,
im Anblick schöner Weiber, ach,
da fühlt er sich ganz eins mit Goethe.

Rezension I Buchbestellung I home IV12 LYRIKwelt © Ulrich Bergmann