Ballade von den zwei Soldaten
Es saßen einst bei Bier und Braten
zwei vormals tapfere Soldaten,
die mit biergelösten Zungen
Sieg um Sieg und Ruhm errungen:
der eine bei den Welschhusaren,
der and're bei den Janitscharen:
"Bei Schaumschlag von der Höhe sieben
da haben wir den Feind vertrieben!"
Ein jeder prahlt, und jeden stört,
was er den and'ren protzen hört:
"Bei Schaumschlag von der Höhe sieben?
da haben w i r den Feind Vertrieben!"
Jetzt war des einen Heldentat,
nun auch des andern Ruhmesblatt,
denn jeder hat von Höhe sieben
den andern in die Flucht getrieben;
der eine bei den Welschhusaren,
der and're bei den Janitscharen.
"Dann bist du, Schuft, mein größter Feind,
verflucht die Sonne, die dir scheint!"
Und war die Stimmung bisher gütlich,
sie wurde plötzlich ungemütlich.
"Ach, hätt' ich doch auf Höhe sieben
den Dolch dir in den Wanst getrieben!"
Ein böses Wort folgt nun dem zweiten,
wie's meistens ist, wenn zwei sich streiten:
"Ich ford're dich jetzt auf der Stelle
für morgen früh zu dem Duelle!"
Das sollte sein im Morgenlichte,
damit die peinliche Geschichte
bei Amsel- und bei Lerchensang
dann enden konnt' als Sühnegang.
Doch beim Duelle, was betrüblich,
stirbt meistens einer, weil's so üblich.
Drum kommt es beiden in den Sinn
"ICH treffe gut, und ER ist hin."
Dann steh'n sich beide gegenüber,
es fliegen Worte her und rüber,
die allesamt kein weiser Spruch
auch nicht aus frommem Psalmenbuch.
Bevor jedoch die Büchsen krachen,
fängt plötzlich einer an zu lachen:
"Ein Leben liebst du, nämlich deins,
ein Leben lieb ich, nämlich meins.
Und nun soll'n wir in jungen Jahren
zum Himmel oder Satan fahren?
Ich pfeif' auf die Soldatenehr',
ich geh' nun heim, ich mag nicht mehr."
So siegten beide... und das Leben,
das jedem einmal nur gegeben.
(2005)
Rezension I Buchbestellung I home 0I08 LYRIKwelt © F.H.J.