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Du
sollst Bestie sein
(Leseprobe aus:
Du
sollst Bestie sein, Roman, 2008, Ammann - Übertragung
Marcus Ingendaay).
Es fängt so an. Es juckt, wie wenn Insekten auf der Haut krabbeln,
und dann kribbelt mein Kopf, genau zwischen den Augen, und dann will ich niesen,
weil die Nase juckt. Dann kommt Luft in meine Ohren, und ich höre so viele
Sachen auf einmal: Ticken von
Insekten, Geräusch von Trucks, die knurren wie Tiere, und dann wie jemand
brüllt: ALLE MANN ABSITZEN UND SICHERN! LOSLOS, TEMPO, BEWEGT EUCH! Schon die
Stimme trifft mich wie Machete.
Ich mache Augen auf, und überall ist Licht, überall, es kommt durch das Loch im
Dach und fällt wie ein Fangnetz auf mich. Dann spüre ich, wie mein Körper sich
zusammenzieht wie kleine Maus in der Ecke, wenn das Licht angeht. Geruch von
Regen und Schweiß kommt in meine Nase, und ich spüre mein Shirt naß wie so eine
zweite Haut. Ich will mich bewegen, aber alle meine Knochen tun weh und die
Muskeln, sie tun weh wie Feuerameisen, wenn sie einen beißen, der ganze Körper.
Wenn ich mir selber hauen könnte, damit es aufhört, ich würde es tun, aber ich
kann nichts rühren, nicht mal den Finger. Ich liege da und mache keinen Mucks.
Und überall Schritte, wo ich erst denke, das ist mein Vater, der kommt mit
Medizin, damit das Jucken und der Schmerz weggeht. Ich drehe mich auf den
Rücken. Die Schritte werden immer lauter und lauter, und lauter, bis ich sie
stärker höre als mein Atmen oder mein Herz. Scha lapp, scha lapp, scha lapp! Es
wird lauter, und lauter, und lauter und lauter. Dann ein Schatten in dem Licht
unter der Tür.
Jemand klopft jetzt. KLOPF-KLOPF. Aber ich antworte nicht. Darüber sind sie
wütend und hauen stärker gegen die Tür und treten dagegen, bis das ganze Haus
wackelt und das Dach immer weiter aufgeht und noch mehr Licht reinkommt. Überall
geht Holz kaputt, bis ich so ein PING-PING höre, wie die Schrauben rausfallen
aus der Tür und direkt in den Eimer, wo meine Füße sind. Das Geräusch knallt
gegen die Wand und springt hin und her durch das Fangnetz aus Licht, bis es ist,
wie wenn das Geräusch von ganz allein die Tür eindrückt und alles so hell wird.
SO HELL! Das Hell geht direkt in meine Augen, und der lila Fleck bleibt noch
lange da. Dann sehe ich zwei gelbe Augen, die gehören einem kleinen dunklen
Körper mit einem dicken Bauch, aber mit Beinen so dünn wie bei Spinnen so. Der
Körper ist ganz mager, und die Short schlottert an den Beinen wie ein Rock von
Frauen, und das Shirt hängt auch so an den Schultern runter, mehr wie ein Kleid.
Sein Hals kann den Kopf nicht halten, darum wackelt immer hin und her.
Ich gucke ihn an. Er guckt mich an. Er ist nicht überrascht, wie er mich sieht,
aber ich. Trotzdem wird sein Gesicht ganz duster. Er schnüffelt an mir wie ein
Hund und tritt näher. KAPAUUU! – schlägt er mich. Dann noch einmal und noch
einmal schlägt er mich, und jeder Schlag fühlt sich an wie die flache Seite von
Machete. Ich will schreien, aber von den Schlägen bleibt mir die Luft weg, und
dann schlägt er auch auf den Mund. Ich schmecke Blut. Mir ist so, wie wenn ich
brechen muß. Die ganze Hütte wackelt, und das ganze verfaulte Obst fällt vom
Bord runter, wo das Bord sich anhört, wie wenn es gleich ganz kaputtgeht und auf
uns drauf fällt. Er hält mein Bein fest und zieht daran, daß ich denke, gleich
reißt es wie Fleisch, und so zieht er mich nach draußen in das Licht und den
Schlamm.
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