Im stillen Haus.Wo Hermann Lenz in München schrieb (2009, Edition Monacensia/Allitera-Verlag, hrsg. von Norbert Hummelt, mit Fotografien von Isolde Ohlbaum).

Norbert Hummelt

Im stillen Haus
(Leseprobe aus: Im stillen Haus.Wo Hermann Lenz in München schrieb, 2009, Edition Monacensia/Allitera-Verlag, hrsg. von Norbert Hummelt, mit Fotografien von Isolde Ohlbaum).

Die Fahrt zum stillen Haus des Schriftstellers Hermann Lenz ist

unspektakulär. Gleich, ob man vom Flughafen oder vom Münchener

Hauptbahnhof kommt: Am Marienplatz steigt man in die UBahn

und vier Stationen später, an der Münchner Freiheit, wieder aus.

Oberirdisch bietet sich ein eher ernüchternder Anblick. Die vierspurige

Leopoldstraße ist vor allem laut, geschäftig, gesichtslos, ein Schwabing-

Gefühl will sich nicht einstellen; doch findet sich zum Glück ein

Blumenladen, denn ohne etwas in der Hand will der Besucher nicht

vor der Tür stehen. Sobald er in die Karl-Theodor-Straße eingebogen

ist, stellt sich eine Beruhigung ein, hier kehrt man dem Rummel den

Rücken, und dieses Gefühl verstärkt sich schon ein paar Meter weiter,

als die Mannheimer Straße erreicht ist. Eine kleine Stichstraße, die wie

eine Sackgasse wirkt, nach vielleicht 200 Metern aber auf die ebenfalls

kleine Sulzbacher Straße trifft. Auf halbem Wege, auf der linken

Seite, steht das Haus Nr. 5, das sich in keiner Weise von den anderen

Reihenhäusern abhebt. Die drei Stockwerke sieht man ihm nicht an,

es scheint sich wegzuducken, macht so wenig Aufhebens von sich wie

die Bücher, die in diesem Haus geschrieben wurden. Aber wenn man

dann hineinschaut …

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