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Fernwärme
(Leseprobe aus:
Fernwärme, 2006,
Kirchheim-Verlag).
Aus der Geheimtasche ihres Rucksacks
zog sie eine Postkarte. Eine von unzähligen, die sie in Rußland erhalten hatte.
Die einzige, die sie mit nach Amerika genommen hatte. Großartig, ich verstehe
dich! Grüße an Vera und Alina großväterlicherseits, las sie.
Natürlich hatte er sie verstanden, deshalb hatte sie ihm auch nichts erklären
müssen, nichts beschreiben, nicht zurückschreiben. Amerika hätte er nicht
verstanden, niemals. Auch aus Amerika hatte sie ihm nicht geschrieben. Und in
den sieben Tagen zwischen Rußland und Amerika hatte sie keine Zeit gehabt, ihn
anzurufen. Zeit vielleicht schon, aber irgendwie keine Lust. Wer das Alte ganz
wegwirft, wird das Neue nicht lange behalten, las Anna das schwarz-gerahmte
Plakat und fing zu lachen an. Vielleicht war der Spruch überflüssig, vielleicht
war er wahr und weise und einfach nur nicht S-Bahn-gerecht. Vielleicht war er
auch nur geträumt. Wie die S-Bahn. Wie das Ziel ihrer Fahrt.
Rezension I Buchbestellung I home III08 LYRIKwelt © Kirchheim Verlag