Inés Hölter

Zeit
(aus: Die letzten Dinge, Lyrik+Kurzprosa, 2011, Design Pavoni° Verlag).

Ein dürrer Baum in der Wüste

verknöchert, geformt vom Wind des Lebens

stoisch, starr, standfest

stehe ich hier und spüre die Zeit verrinnen,

unnachgiebig, flüssig,

zäh wie Honig

die Ungeduld,

dich bei mir zu haben,

dein Lachen zu hören,

deine Lippen zu studieren,

deine zarte Haut zu ertasten

und dich unter mir zucken zu spüren,

erlaubt mir kaum zu atmen

tick tack tick tack

das Ticken der Uhr hämmert bedrohlich in meinem Kopf

und wie ein urbaner Baum,

der seine Wurzeln widerwillig in den Asphalt gegraben hat,

bin ich verbannt zu warten

inmitten der lauten Hektik meines Lebens

voll stiller, inniglicher Hoffnung

ihn zu bekommen

deinen Kuss

nicht den des Abschieds

den der Liebe

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