Franz Hodjak

Momentaufnahme

Leer der Strand. Nur
die immense Weite des Meers, die
zurückbleibt als Vorgeschmack

des Nichts, das zu tosen
und zu toben beginnt. In den Kneipen
bieten Straßenkünstler

Statuetten an als Ersatz
für etwas, das Rettung bringen
könnte. Jetzt, da als letztes

auch die Mauer gefallen ist, liegt alles
weit hinter uns, die Onanie,
die Geburt, die Entdeckung

Amerikas, die Avantgarde, die Auferstehung
des Herrn, der Rock'n'Roll,
der Urknall, übrig bleiben

etwas Nostalgie
und der Fischhändler an der Ecke, der
feilscht, als ginge es um die Herausgabe

geheimer Akten. Der Pantomime, an
diesem Morgen, ist stellvertretend da
durch seine Abwesenheit, die nobel

frühstückt auf der Terrasse. Wie zirpende
Japaner halten die Kameras
den berühmten Augenblick fest, den schon Goethe

meinte. Die Ruinen, ringsum, um überhaupt
verstanden zu werden, sprechen
nur mit sich selbst, vielleicht

von etwas wie Ewigkeit, die
sich zurückzieht in ihre Verstecke,
in denen wir

in der Kindheit spielten. Eselskarren
zogen vorbei, behutsam,
als transportierten

sie Tote. Es sollte Glück
bringen, in exotische Flaschen
zu pissen. Und wenn ich einst

sterbe, wird es endlich
ein Morgen sein, der nichts einläsen
muß, weil er nichts versprochen hat.

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