Herbert Hindringer

100 Jahre Lyrik

Manche Worte kommen dir komisch vor,
manche hängen dir ewig hinterher;
in manchen Worten tanzt ein Clown
und schäkert mit dem Reim,
und in manchen ragt ein Galgen
in den Fensterblick hinein.
Mit anderen Worten:
Hier bin ich jetzt, bodenlos
in einem Zimmer voller Worte,
das Bett ist voll von mir,
weil ich all die Bilder horte,
über meine vielen Gesichter schreib ich dir:
von der Stirn bis zum Kinn,
vom linken Ohr zum rechten
mal ich mich dir aus,
im guten und im schlechten.

Dein haarloses Knie will ich küssen,
doch nicht vor dir knien müssen;
gleich will ich sein,
doch nicht dir gleichen;
weich will ich sein,
doch dir nicht weichen.
Ich will ich sein und bei dir.

Darum singe ich ein Lied für dich,
das dir salzig auf der Zunge liegt
und saugend an den Lippen klebt;
im Kopf dir stets von vorn losgeht.

(1999)

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