aus:Jagdsaison
Robert Krugk bekam den Sohn des Juweliers daher sehr schön ins
Zielfernrohr. Obwohl als Schütze durch die Verletzung beeinträchtigt, ortete er sein
Objekt rasch. Krugks rechtes Auge drohte vom sickernden Blut verschlossen zu werden. Mit
äußerster Willensanstrengung hielt er sich bei Bewusstsein. Sekunden blieben ihm. Zeit,
die raste und zugleich ewig und weit schien.
Gleich einem zarten, kuriosen Insekt flog das Fadenkreuz Hardis Bauch an, ließ sich dort
nieder, krabbelte dann wählerisch auf dem Hodensack herum, flitze hinauf zu Hardis Mund
und huschte von dort zwischen dem noch verbliebenen Sonnenbrillenglas und der bleich aus
dem anderen Rahmen schimmernden Augenhöhle hindurch auf die Stirn. Das feine Kreuzzeichen
erinnerte Krugk für den Bruchteil einer Sekunde an jenen lang zurückliegenden
Aschermittwoch, an dem er zum ersten Male bei der Zeremonie mit der Asche zugesehen hatte.
Blut schlängelte über Krugks Handballen zum Puls und tropfte von dort auf die Hose. Er
hielt die Waffe jetzt dermaßen starr, als versteinere ihn ein Krampf. Oder Kälte. Zu
ewigem Eis. Es dunkelte sanft vor Krugks zielender Pupille. Bevor Hardi Buchwald mitsamt
dem Grinsen infolge der rapide schwindenden Sehkraft unsichtbar wurde, schoss Krugk.
Rezension I Buchbestellung 0I02 LYRIKwelt © Elfenbein-Verlag