Der Kuss von Günter Herburger, 2008, A1Günter Herburger

Die Erde
(Leseprobe aus: Der Kuss, Gedichte, 2008, A1-Verlag)

Ihre Baggerseen sind blau,
bevölkert von Walen.
Ein paar Kontinente treiben einher,
als hätten Morcheln sich verabredet
für einen Zusammenschluss.

Blut tropft aus den Findernägeln
mehrer Sonnen, deren Folterwerkzeuge
wir noch nicht kennen.

Tierzeichen gibt es dort oben nicht,
eher Gardinen, die auseinanderstieben,
als wären Hühnerhöfe explodiert.

Familien und Fersengeld tauchen auf,
beschützt von Distelwäldern,
in denen Milchkännchen
den Zeitpfeil, verirrt im Dickicht,
in die falsche Richtung tragen.
Er schreit wie ein Gänserich.
 

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