Morgen war schon von Guy Helminger, 2008, Suhrkamp

Guy Helminger

Morgen war schon
(Leseprobe aus:
Morgen war schon, Roman, aus dem 1. Kapitel, 2007, Suhrkamp).

Der Nieselregen hatte aufgehört. Sie überholten einen Bus und blieben auf der linken Spur, obwohl kein Wagen vor ihnen zu sehen war. Feltzer bemerkte plötzlich, daß Bergrath den Kopf gewendet hatte und ihn ansah. Jetzt sprich nur ein Wort, dachte Feltzer, und es knallt.

Ein schmaler Streifen Mond tauchte auf, strich matt über den Himmel, bevor er zurück in die Dunkelheit glitt.

Als Bergrath tatsächlich den Mund aufmachte, bremste Feltzer sofort, während seine linke Hand in die Türablage griff. Die Räder rutschten über den Asphalt. Etwas weiter hinter ihnen rollten die Busscheinwerfer auf sie zu. Feltzer steuerte den Wagen auf den Seitenstreifen und brüllte: „Ich habe dich gewarnt. Habe ich dich nicht gewarnt?“ Er sah, wie Bergrath versuchte, aus dem Wagen zu flüchten. Auf der Fahrbahn rauschte der Bus an ihnen vorbei. Feltzer schloß einen Moment lang die Augen. Er sah, daß bereits alles rot war.

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