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101 Reykjavik
(Leseprobe aus: 101 Reykjavik, Roman,
1996/2002, Klett-Cotta - Übertragung
Karl-Ludwig
Wetzig)
Personen:
Lolla, Suchtberaterin/ Hlynur Björn, Sohn von Berglind/ Páll Níelsson,
Zahnarzt/ Þröstur, Freund von Hlynur/ Ellert, Páls Sohn/ Rósi/ Gulli,
Schwule/ ein Pfarrer/ Marri,/ Reynir, Barbesucher/ Tímur/ Sigurlaug, Páls
Ehefrau/ Katarína, ungarische Prinzessin/ Berglind, Hlynurs Mutter/ Hólmfriður,
Páls Tochter/ Hafsteinn, Hlynurs Vater/ Familienmitglieder, Taxifahrer,
Organkuriere, Barkeeper, Typen, Clique, Mädel, Nutten, Verkäuferinnen,
Nachrichtenleute usw.
Das Stück spielt überwiegend im Einzugsbereich der Postleitzahl 101, dem
Innenstadtbereich der Hauptstadt Reykjavík
Immerhin. Ich versuche wenigstens
aufzuwachen, ehe es dunkel wird. Um ein bißchen Helligkeit in den Tag zu
bekommen, mich einzuchecken, einen Stempel zu kriegen. Die Sonne ist eine
Stempeluhr. Ohne daß man einen Job hat, weder bei ihr noch sonstwo. He,
Sonnensystem, Sozialversicherungssystem.
Es ist immer gleich schwer, aufzuwachen. Als ob man seit 400 Jahren in der Kiste
läge und sich erst durch sechs Fuß Erde buddeln müsse. Jeden Morgen.
Helligkeit fällt durch die Gardinen. Plötzlich kommen mir die Ziffern auf dem
Radiowecker wie Jahreszahlen vor: 1601. Ich erwache viel zu früh, werde doch
erst in gut 400 Jahren geboren. Naja. Ich greife nach der Colaflasche und nehme
einen Schluck: Ein Gutermorgenkuß mit Mundgeruch. Man soll nie ein Mädel am
Morgen danach küssen, schmeckt schal und abgestanden, als wäre sie am
verwesen, tot. Meist ist sie auch hinüber. Man sollte nie beischlafen.
Schlaf ist Tod. Und jeden Morgen Auferstehung. Auferstehung des Fleisches. Mein
kleiner Johnny steht jedesmal als erster. Ich fühle die Fernbedienung an meinen
Füßen, kann sie aber noch immer nicht mit den Zehen bedienen.
Kanal 52: Interview mit einem deutschen Kneipenbesitzer. Er zapft drei Glas
Bier. Ich will auch eins. Trinke noch mal von der Cola. Kanal 53: Englische
Gartenpflege. Kanal 54: Ein Studio in Madrid. Kanal 36: Indische Sängerin
(20.000). Kanal 37: Wettervorhersage für Südostasien. Sieht nach einem schönen
Wochenende in Burma aus.
Ich zappe mich durch die ganze Skala. Keine Pussy. Warum gibt es morgens keine
Pornos? Haben die noch nie was von einer Morgenlatte gehört? Dann würde man
vielleicht aufwachen. The Morning Porn Show. Meiner steht immer als
erster auf. Vielleicht ist das mit Bedacht so eingerichtet. Es ist leichter, den
Rest auf die Beine zu kriegen, wenn er schon mal steht. Der kleine Steher.
Gebaut wie ein einäugiger, halsloser Bodybuilder. Mit Kopf, aber ohne Hirn;
vielleicht hat er es abgegeben, spuckt ja ständig hellgraue Zellen aus. Ich
stehe nie auf, wenn er nicht vorher aufgestanden ist. Ich packe ihn am Kragen
und schüttele ihn; erst auf dem Klo gibt er auf. Ich murkse an ihm herum und
halte die Hand vor. Warum lesen Wahrsagerinnen lieber aus trockenem Kaffeesatz
als aus der nassen Handfläche? Da liegt mein Leben schäumend in der eigenen
Hand. Rinnt die Straße der Lebenslinie hinab.
Eine Zigarette. Der Tag ist wie eine weiße Zigarette, und die Sonne die Glut,
die sich durch Rauchwolken an ihr entlangfrißt und in einem abendgelben Filter
verlischt. Sonne und Kippe, beide gleich krebserregend. Es wird schon wieder
dunkel. Brauche also erst gar nicht die Gardinen aufzuziehen. Ich binde meine
Armbanduhr um, kette mich an die Zeit, die Erdrotation, die Sonne und das ganze
System, 16:16, und ich gehe in die Küche. Cheerios. Schon auf dem Teller. Was
ist los? Soll ich auf einmal bemuttert werden? Das ist zu viel. Sie hat zu viel
auf den Teller geschüttet. Die richtige Menge beträgt genau 365. Mit Milch
nehme ich einen nach dem anderen ein. Das Radio. Das erste Lied gibt den Ton für
den ganzen Tag an. Passion von Rod Stewart. Weiß nicht so recht.
Auge in Auge mit Woody Allen. Wann macht er endlich den Mund auf? Einmal muß es
doch soweit sein. Dazu hat man schließlich Poster an der Wand. Ich starte den
Mac. Macintosh sagt Guten Tag. Sie sollte jetzt nach Hause gekommen sein. 1637.
Als hätte man eine Jahreszahl am Arm. Jeder Tag eine Geschichte der Menschheit.
Chris kommt um Mitternacht zur Welt, in einer rauschenden Partynacht geht das Römische
Reich unter, und im Morgengrauen tauchen die ersten Wikinger auf; vergewaltigen
bis weit nach neun. Die Mittagsnachrichten werden aus alten Handschriften
verlesen: "Letzte Nacht Großbrand in Etzels Burg". Nach dem Essen ein
Nickerchen: Abschlaffen, Plagen, harte Zeiten, um 1504 von Michelangelos
Hammerschlägen auf den Meißel geweckt. Renaissance. Shakespeare schreibt, was
das Zeug hält, muß um viertel nach vier abgeben. Die Menschheitsgeschichte ist
ein langer Tag. Der dreißigminütige Krieg. Der 6-Sekunden-Krieg. Langer
Arbeitstag. Schon fast sieben, als Edison endlich das Licht einschaltet. 1900:
Abendessen und Nachrichten. Wir haben die Abendmahlzeit der
Menschheitsgeschichte erreicht oder sind gerade fertig mit essen, alle satt und
schlaff, aber das Programm noch lange nicht am Ende. Alle warten darauf, daß es
endlich 2000 wird. Ich mause mich ins Netz. Nichts auf der Homepage. Checke
meine Mail. Nichts von ihr. Ich tippe an sie:
Hi Kati.
Reykjavik calling. Hope you had a good day. We are getting late up here, running
out of days. You know. Wintertime in Iceland. The Kingdom of Darkness. And
everything Johnny Rotten. Went to the bar last night and then to some
after-party. There was one girl there who had been in Budapest and she told me
about a bar called ´Roxy´ or ´Rosy´. Do you know it?
Bi. - Hlynur.
Ich bin halb angezogen, als das Telefon klingelt.
"Hlynur", sagt Þröstur.
"Þröstur", sage ich.
"Wie geht´s uns?"
"Geht so. Du bist gestern nicht gekommen?"
"Nein. War was Besonderes?"
"Nein. Wir sind hinterher noch zu Jökull gegangen."
"Und? Wie war´s?"
"Ging so. Eher mäßig."
"Irgendwelche Schnallen?"
"Lóa war da und auch Sóley, und noch zwei ganz heiße Bräute."
"Richtig edle Pferdchen?"
"Zumindest eine so Modell Milano, die andere eher selbstgestrickt."
"Ja und? Sind sie jetzt bei dir?"
"Nein, der Fernseher läuft. Was hast du denn gemacht?"
"Hör mal, ich hab deinen Vater gesehen. Wir sind ins Kastali
gegangen - Marri war auch dabei -, und da haben wir deinen Alten getroffen. Er
war richtig gut drauf."
"Du lügst."
"Nein, er war gut drauf, Mann. Gab uns einen aus und hat uns anschließend
zu sich nach Hause eingeladen."
"Seid ihr mitgegangen?"
"Nein, er warf mit zwei Adressen gleichzeitig um sich."
"Bist du sicher, daß er´s war?"
"Mensch, Hlynur, ich kenn´ doch den alten Graubart."
"Wie sah er aus?"
"Prima. War so etwa auf dem dritten Tag."
"Völlig hinüber?"
"Ja, randvoll, aber putzmunter. Ich meine, er war richtig aufgedreht."
"Aha."
"Ja, hat unheimlich viel von deiner Mutter geschwafelt ... und von dir.
Solltest den armen Kerl mal anrufen, Mann."
"Hm."
"Und sonst? Liegt was an heute abend?"
"Weiß nicht. Woran denkst du?"
"Nur so das Übliche: K-Bar oder Kastali, ist doch Spitze da,
Mann. Triffst bestimmt deinen Alten."
"Wann wart ihr denn da?"
"Etwa um eins."
"Ach, ich weiß nicht."
"Hör mal, ich rufe wieder an."
"Okay."
"Hlynur."
"Þröstur."
* * *
Mama arbeitet bei einer Einkaufszentrale. Mama ist eine Einkaufszentrale. Mama
heißt Berglind Sæmundsdóttir. Mama hat einen roten Subaru. Mama kommt
zwischen fünf und sechs von der Arbeit. Manchmal kommt Lolla mit und ißt bei
uns. Lolla heißt Ólöf, weiß nicht, wessen Tochter. Haralds- oder Harðardóttir.
Lolla ist lesbisch. Seit langem. Hat letzten Herbst ihr fünfzehnjähriges
Lesbenjubiläum gefeiert. Visiert jetzt die goldene Uhr der isländischen
Lesbenvereinigung an. Mama ist eine Einkaufszentrale. Meist bringt sie mir etwas
mit. Ein Unterhemd, Cola, einen Gürtel, ein Video, Popcorn, Kekse. Heute kommt
sie im Jahr 1735. Ich höre Plastiktüten, dann klopft sie dreimal, ehe sie
hereinlugt.
"Hallo, mein Schatz. Sieh mal, ob du damit was anfangen kannst. Die gab´s
bei Bónus im Angebot."
Während ich mich vom Computer umdrehe, wirft sie drei Paar weiße Unterhosen in
knisternden Plastikhüllen aufs Bett. Dann kommt sie ins Zimmer, drapiert die
Unterhosen auf den Nachttisch und fängt an, das Bett zu machen.
"Wie war dein Tag heute? Die Luft hier drinnen bei dir ist etwas
abgestanden, Hlynur. Magst du nicht mal das Fenster öffnen?"
"Wie bitte?"
"Ist es nicht schon eine Weile her, seit ich dein Bettzeug zuletzt
gewechselt habe? Soll ich dein Bett nicht mal eben neu beziehen? Ach nein, ich
wasche erst morgen. Wieso liegt denn die Colaflasche im Bett? Ich kann dir noch
eine holen, wenn du möchtest. Lolla kommt nachher und wird mit uns essen. Ist
alles in Ordnung, mein Junge?"
"Was?"
"Hast du nicht gesagt, du würdest jetzt für Reynir arbeiten?"
"Das dauert noch. Ich muß warten, bis er mir die SyQuest-CD-ROM
bringt."
Ich wende mich wieder dem Computer zu.
"Ach so. Meinst du, dir gefallen die Slips. Hoffentlich sind sie nicht zu
klein. Es gab nur large. Soll ich dir noch eine Cola bringen."
"Mama."
Sie kommt zu mir und legt mir die Hand auf die Schulter. Im Nacken fühle ich
ihre Brüste.
"Schon gut, Junge. Ich störe dich nicht. Schreibst du sogar auf
Englisch?"
"Mama, bitte."
"Oh, entschuldige. Ich bin immer so neugierig."
Sie küßt mich auf den Scheitel und geht.
"Ich habe Roastbeef gekauft. Lolla will Rotwein mitbringen. Heute abend
soll´s ein bißchen festlich werden."
Roastbeef ist mein Lieblingsessen. Sie bemuttert mich wieder. Aber immerhin was.
Als sie mich rufen, hänge ich an der Fernbedienung. Quiz auf dem Ärmelkanal,
Channel TV: "What´s on Television?" Ich klicke eine Frage an. Was läuft
morgens zwischen zehn und elf Uhr auf Eurosport? Ich muß früher aufwachen!
Als ich nach vorn komme, reden sie gerade über Heiðar. Lolla sagt, sie steht
auf ihn. Ich stehe auf Lolla. Sie hat anständige Brüste und ist witzig. Ein
Spaßvogel. Klar, sie nimmt mich hin und wieder hoch, aber sie bringt auch oft
was zu rauchen mit und verbreitet irgendwie gute Stimmung im Haus. Wenn sie da
ist, ist auch Mama besser gelaunt. Besonders wenn sie einen mitraucht. Dann
muttert sie etwas weniger rum. Sie passen gut zusammen, obwohl sie sehr
verschieden sind. Mama ist 56, Lolla 37. Sie haben sich auf den Färöern
kennengelernt. Mama war dort auf einer ziemlich haarigen Konferenz. Sie ist ganz
öffentlich-rechtliches Fernsehen, Lolla eher Pay-TV: Ich kenne sie nicht
richtig, habe sie noch nicht oft genug gesehen, sie sendet verschlüsselt. Sie
ist Suchtberaterin. Suchtberaterin! Sie ist voll von guten Alki-Stories,
besonders wenn sie voll ist. Saufgeschichten kommen einfach nicht so gut rüber,
wenn sie nüchtern erzählt werden. Wir wohnen auf der Bergþóragata und essen
in der Küche.
M.: "Haben die Unterhosen nicht gepaßt? Ich habe ihm nämlich heute bei Bónus
Unterhosen gekauft."
L.: "Bónusschlüpferchen? Na, da wird sich aber mal die glückliche
Gewinnerin freuen! Sind vielleicht kleine rosa Schweinchen drauf?"
I.: "Keine Ahnung."
M.: "Hast du sie noch gar nicht anprobiert?"
I.: "Gibt´s noch Rotkohl, Mutter?"
L.: "Pimmel erinnern mich immer an kleine rosa Schweinchen."
I.: "So?"
L.: "Ja, so süß und zum Anbeißen lecker."
Sie lacht. Mama lächelt. Ich grinse ein JR-Grinsen.
I.: "Ich dachte, du ißt kein Schweinefleisch. Oder bist du keine
Lesbe?"
M.: "Möchte jemand Eis?"
L.: "Les-Bi. Nein, ich dachte nur an dich, Hlynur ... mein kleines
Sparschweinchen."
I.: "Was meinst du damit?"
L.: "Nichts. Aber sparst du denn nicht die ganze Zeit? Du scheinst dich
nicht gerade an jemanden zu verschwenden. Sparst du dich nicht für die einzig
Wahre auf?"
I.: "Was soll das denn jetzt wieder heißen?"
Lolla grinst zu Mama hin, die aufgestanden ist.
M.: "Tja, sollten wir uns nicht ein Eis nehmen und von etwas anderem
reden?"
I.: "Hey, Mom, hast du ihr was geflüstert? Hat man hier überhaupt kein
Privatleben mehr?"
M.: "Sie ärgert dich doch nur ein bißchen, Hlynur. Lolla, magst du
wirklich nicht mehr?"
L.: "Nein, ich bin absolut papp ... "
I.: " ... satt von dem ganzen Getratsche. Wo ist die Zeitung? Vielleicht
sollte ich mal die Wohnungsanzeigen durchsehen."
L.: "Du willst doch nicht etwa zuhause ausziehen?"
I.: "Mama, hast du heute keine Zeitung gekauft?"
L.: "Bist du dafür nicht ein bißchen zu alt? Erst dreiunddreißig
..."
Ich sehe ein Zimmer vor mir, sound & solid, wo man nicht anklopft, sondern
klingelt. Ich mit mir allein plus Mac und Tevau, ein Sechzehnvideowochende, der
ganze Woody, und weit weg von allen Lesben. Irgendwas ist mit diesen
wortgewandten Weibern, Weibern, die genauso schlau sind wie Männer, Muschis mit
der Zunge an der rechten Stelle. Ich kann sie nicht ab. Man findet keine
passenden Antworten mehr, man ist wie gelähmt. Vor allem wenn sie auch noch
Titten haben. Das ist irgendwie unfair. Ich meine, Frauen haben uns sowieso die
Prachtauslage voraus. Das ist ihr Ding, bzw. ihre Dinger. Dafür sollten wir den
Grips haben. Aber jetzt haben sie den auch. Was bleibt uns da? Sie haben einfach
alles. Aussehen und Verstand. Und wir liegen wortlos da und halten den Hirnlosen
in der Hand, der seine letzten Zellen ausspuckt.
Mama ist noch eine andere Generation. Ehe Hirnoperationen üblich wurden. Mama
steht mir zur Seite. Mama hält mir die Stange.
"Nun laß mal, Lolla. Mein Linsi darf hier so lange wohnen bleiben, wie er
mag."
Nach dem Eis ziehen wir einen Joint durch. Lolla dreht. Zwei Joints. Einen
bekomme ich. (Manchmal lohnt es sich, sich über sie aufzuregen.) Wir setzen uns
ins Wohnzimmer. Durch den Rauch sieht man die Nachrichten klarer. Meist ertrage
ich das Fernsehen nicht. Immer Fisch und dieser ganze Meeresquatsch! Welcher
Hampelmann ist eigentlich auf die Idee gekommen, man könnte dieses kalte Zeug
vom Meeresgrund essen? Das Gras macht sogar den Schnee besser, wie Eis. Eiscreme
überm Nordland. Vanille auf den Westfjorden, Nougat im Nordfjord. Die beiden
sind ein Herz und eine Seele und fangen wieder von den Unterhosen an. Bitte
nicht!
Mutti: "Aber hast du nicht gesagt, daß du noch Unterhosen brauchst? Ihm
fehlen ständig Unterhosen. Ich weiß gar nicht, was er mit all seinen
Unterhosen macht. Ich habe das Gefühl, ich kaufe ihm andauernd neue."
Lolli: "Er wird sie wohl irgendwo in der Stadt liegenlassen. Das ist
bestimmt so üblich bei Junggesellen, die sich nicht binden wollen. Sie lassen
ihre Unterhosen absichtlich bei den Damen zurück, mit allem drin und dran ...
he, he, he ... pipigelb und stinkend. Das verringert die Gefahr, daß die Frauen
eventuell mehr wollen ... "
Ichi: "Manche stehen aber doch auf Goldene Wasserfälle. Und nicht nur das,
sondern auch auf Geysire. He, he. Wußtest du das nicht, Lolla?"
Lolli: "Wieso Geysir?"
Ichi: "Na, Gullfoss und Geysir. Du weißt doch, er springt gar nicht mehr.
Stinkt nur noch."
Mutti: "Aber Hlynur!"
Ichi: "Nein, Mama, habe ich noch nicht erzählt, daß du sie immer
verschwinden läßt?"
Lolli: "Oh, Berglind ... Hört an! He, he, he ... "
Mutti: "Ha, ha. Was? Was meinst du?"
Ichi: "In der Wäsche."
Jetzt sind sie richtig gut drauf, haben es auf meine Unterhosen abgesehen und drängen
mich, sie anzuprobieren. Ich weiß nicht, vielleicht bin ich jetzt so schräg,
daß die Klamotten nicht mehr hängenbleiben. Jedenfalls stehe ich auf einmal
wieder im Wohnzimmer, nur in Bónusslips. Ich posiere. Sie kichern und wiehern
wie die Weiber bei den Chippendales. Frauen sehen sich Striptease anders
an als Männer. Sie gehen völlig aus sich heraus. Männer werden dagegen eher
introvertiert, schalten einen Gang zurück, werden ganz ernst und besinnlich und
schlucken am eigenen Adamsapfel. Lolla sagt, ich soll näher kommen, und
grapscht nach dem Hosenbund. Sie läßt ihn zurückschnappen, sagt, daß sie gut
passen, und fügt hinzu: "Jedenfalls in dem Zustand."
Wieder schütteln sie sich vor Lachen auf dem Sofa. Der einäugige Hirnlose
befindet sich auf Augenhöhe mit ihr, und ich spüre, wie er - obwohl Mama dabei
ist - Lust bekommt, sich zu strecken und ihr in die Augen zu sehen. Ich mache,
daß ich rauskomme.
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