|
|
Vor mir den Tag und hinter mir
die Nacht
(Leseprobe aus:
Vor mir den Tag und hinter mir die
Nacht, Roman, 2008,
Piper).
Fragen und Projekte
Es war schon sehr oft passiert, dass die Tür aufgegangen und eine schöne Frau in seinen Laden gekommen war, bisher allerdings ausschließlich in seinen zahllosen Tagträumen, für die Boris viel Zeit hatte. Aber dass sich die Tür tatsächlich öffnete und tatsächlich von einer schönen Frau durchschritten wurde, überforderte ihn etwas. Seitdem er die Agentur eröffnet hatte, war seiner Erinnerung nach niemand außer ihm selbst durch diese Tür gegangen, kein ungezogenes, anstrengendes Kind, kein hässlicher alter Mann und auch kein unauffälliger Mittfünfziger in grauem Anzug.
Diese Frau mit dem langen kastanienbraunen Haar, den hell leuchtenden Augen und dem mit einem Hauch von Violett geschminkten Mund war seine erste Kundin. Sie sah ihm direkt in die Augen und lachte ihn an, was Boris verlegen machte. Ihm fiel ihre schöne Nase auf, nicht zu klein und klassisch geschwungen. Boris hatte nie verstanden, warum die Leute Frauen mit Stupsnase mochten. Er fand nichts attraktiv daran, einer Frau in die Nase sehen zu können, und war überzeugt davon, dass Frauen mit elegant nach unten gebogenen Nasen einen genetischen Vorteil hatten.
(...)
Rezension I Buchbestellung I home III09 LYRIKwelt © Piper Verlag