Nero Corleone kehrt zurück von Elke Heidenreich, 2011, HanserElke Heidenreich

Nero Corleone kehrt zurück
(Leseprobe aus: Nero Corleone kehrt zurück, Prosa, 2011, Hanser).

Isolde war lange nicht mehr in Italien gewesen.

Jetzt kam sie mit einem Möbelwagen, jetzt wollte sie

vielleicht für immer in dem Haus bleiben, das ihr

und Robert jahrzehntelang als Ferienhaus gedient

hatte, oben auf dem Hügel, mit dem Blick über den

See.

Auch in Italien kann es mal kalt sein. Es war kalt

an diesem Tag, kalt innen und außen. Isolde war

traurig,

und sie fror. Sie war traurig, weil die Erinnerungen

an glücklichere Zeiten in diesem Haus an

ihr fraßen, und sie fror, weil das Haus lange leer gestanden

hatte und ausgekühlt war. Die alte Heizung

rumpelte, schepperte, gab sich Mühe, aber es dauerte

mit dem Warmwerden. Isolde beschloss, sofort

den Kamin anzumachen, wenn die Männer von der

Spedition erst alles abgeladen hätten und wieder

verschwunden wären, aber zuerst kochte sie ihnen

noch einen heißen Kaffee und sagte, wo alles hinzustellen

war: das Klavier an die Wand zwischen den

Fenstern, die Kisten mitten ins Zimmer, der kleine

Schreibtisch neben den Kamin, die Stühle in die Küche,

viel mehr war es ja nicht. Danilo, ein Freund

und der Elektriker aus dem Dorf, würde später ihren

neuen roten Glaslüster anschließen, und vielleicht

konnte er auch das Kabelgestrüpp von Computern,

Lautsprechern, Stereoanlagen entwirren, sie

hatte Zeit.

Sie wollte jetzt für immer hierbleiben, ja.

Na ja. Vielleicht nicht ganz für immer. Sie hatte

sich eine kleine Wohnung mit ein paar Möbeln in

Köln bewahrt, aber das Haus war verkauft, das Haus,

in dem sie mit Robert glücklich gewesen war, das

Haus, in dessen Garten die schielende Katze Rosa

begraben lag, im Nachbargarten ruhte Karl, Kagels

Kater, mit dem Nero so befreundet gewesen war, und

Kagel war auch schon gestorben.

Isolde war älter geworden, aber nicht alt. Sie hatte

sich, wie man so sagt, ganz gut gehalten, sie war

auch wieder ein bisschen verliebt, aber sie wusste

noch nicht, ob das mit Justus nun das Richtige war.

Erst mal Abstand halten, erst mal allein nach Italien

ziehen, dann würde man schon weitersehen.

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