Tobias Hayn

Blinder Passagier

Eine lachende Fassade,
sorglos, von keinem Übel gezeichnet,
wandelt durch das Leben,
scheinbar unempfindlich gegenüber allem Seelenpein.

Doch tief darin verborgen,
wie ein blinder Passagier,
verbirgt sich ein kleines Wesen,
ängstlich zitternd, mit weit aufgerissenen Augen.
Der Überlebende verlorener Lieben,
gebrochener Versprechen
und unerfüllter Sehnsüchte.

Das Wesen hat sich gut verborgen,
hat sich aus den Splittern der Seele eine Festung geschaffen,
zusammengehalten durch Leid und Tränen.
Der Splitter sind da viele, jeder zeigt das Gesicht eines Menschen,
einer Tat, einer Flucht.

In ewiger Finsternis harrt es dem Ende,
erwartet zerrissen zwischen Angst und Sehnsucht
die Schläge, die seine Festung erschüttern.

Was lauert da draußen? Was wird kommen?
Ein Schlag, der die Festung endgültig zerschmettert,
das Wesen von den Fragmenten seiner Sehnsüchte durchbohrt verendend zurücklässt,
dahingerafft von den unerfüllten Träumen, die es selbst erdachte?

Oder die Hand, die behutsam eine Öffnung schafft,
das Licht der Hoffnung einlässt,
und das Wesen in Wärme und Liebe hüllt?

So wartet es denn, sehnt das Ende herbei,
gleich auf welche Art.....

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